Sie sind hier: Startseite > Penis > Phimose
Phimose – Vorhautverengung: Ursachen, Diagnose und Therapie
Definition der Phimose
Angeborene oder erworbene Enge des Präputiums [Abb. Phimose mit Lichen sclerosus], die eine Retraktion erschwert (relative Phimose) oder verhindert (absolute Phimose). Von der Phimose ist die Vorhautverklebung abzugrenzen, die im Säuglingsalter normal und im Kindesalter häufig ist. Leitlinie der EAU: EAU Guidelines Paediatric Urology.
Epidemiologie der Phimose
Die Prävalenz der Vorhautverklebung zwischen innerem Vorhautblatt und Eichel ist abhängig vom Lebensalter: (etwa 90 % ein 1 Jahr Alter, 10 % mit 6 Lebensjahren). Die Prävalenz der echten Phimose (narbige Enge) liegt bei 8 % der 6-jährigen und 1 % bei 16-jährigen.
Ätiologie der Phimose
Vorhautverklebung:
Die Vorhaut bildet sich durch eine Epidermismanschette, welche ausgehend vom Meatus nach proximal einwächst. Initial ist das innere Blatt mit der Eichel verwachsen, mit zunehmenden Lebensalter lösen sich die Blätter voneinander (10 % nach dem 1. Lebensjahr, 90 % nach dem 6. Lebensjahr).
Narbige Enge:
Durch rezidivierende Entzündungen (Balanitis) entsteht eine narbige Enge. Zusätzliche Risikofaktoren für Narbenbildung sind Diabetes mellitus, Adipositas oder Dauerkatheterisierung.
Komplikationen der Phimose:
Häufige Komplikationen sind Harnwegsinfektionen, eine Paraphimose oder rezidivierende Balanitiden. Obstruktion der Miktion mit Gefahr des Harnverhalts.
Die Übertragbarkeit von Geschlechtskrankheiten ist bei unbeschnittenen Männern höher.
Die Phimose ist ein Risikofaktor für ein Peniskarzinom. Bei einem guten hygienischen Standard ist das Peniskarzinom jedoch sehr selten. Das Risiko für ein Zervixkarzinom ist bei Frauen mit unbeschnittenen Männern erhöht (siehe Kapitel Peniskarzinom).
Klinik der Phimose
Fehlende Retrahierbarkeit, erschwerte Hygiene, Paraphimose, Balanitis, obstruktive Miktionsbeschwerden, Harnverhalt.
Diagnose
Die Diagnose wird klinisch gestellt. Beurteilt werden Retraktierbarkeit, Narbenring, Adhäsionen, Meatus, Hinweise auf Lichen sclerosus sowie begleitende Fehlbildungen wie Hypospadie. Bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen oder obstruktiven Miktionsbeschwerden sind Urinstatus, Sonographie und eine urologische Abklärung der Harnwege indiziert.
Therapie der Phimose
Konservative Therapie der Phimose:
Lokale Kortisonsalbentherapie über 6–12 Wochen. Verwendet werden moderat potente oder hochpotente Steroide: z. B. Betamethason 0,05–0,1%. Die Kortisonsalbe wird zweimal täglich über 6 Wochen appliziert, bei unzureichender Aufweitung wird die Therapie über weitere sechs Wochen fortgeführt. Die Erfolgsraten der konservativen Therapie (Vermeidung der Zirkumzision) liegen bei 75–90 %. Relative Kontraindikationen gegen die alleinige konservative Therapie sind rezidivierende Harnwegsinfektionen, obstruktive Miktion, ausgeprägte Narbenphimose und Verdacht auf Balanitis xerotica obliterans.
Zirkumzision:
Komplette (radikale) oder plastische Zirkumzision (Technik und Komplikationen siehe Kapitel Operationstechniken/Zirkumzision, Lokalanästhesie Peniswurzelblock). Kontraindikationen gegen die operative Therapie sind akute lokale Infektion, Gerinnungsstörungen sowie Penisfehlbildungen, bei denen Vorhauthaut für eine Rekonstruktion benötigt werden kann.
Neonatale Zirkumzision:
Bei medizinischer oder nicht-medizinischer Indikation soll die neonatale Zirkumzision unter adäquater Analgesie und sterilen Bedingungen erfolgen. Mögliche Techniken sind die Gomco-Klemme, Mogen-Klemme und Plastibell-Technik, siehe Abschnitt Zirkumzision.
Prophylaktische Zirkumzision
Weltweit sind 37–39% der Männer beschnitten, die meisten aufgrund von religiösen und Gründen. Die prophylaktische neonatale Zirkumzision bleibt ohne religiöse oder kulturelle Indikation umstritten. In den USA wird sie weiterhin deutlich häufiger durchgeführt als in vielen europäischen Ländern. Erkrankungen, deren Risiko durch eine prophylaktische Zirkumzision gesenkt werden kann, sind in westlichen Ländern sehr selten. Die Beratung hinsichtlich einer prophylaktischen Zirkumzision soll ausgewogen und zurückhaltend erfolgen.
Argumente für die prophylaktische neonatale Zirkumzision:
- Reduktion von Harnwegsinfektionen im Säuglingsalter, insbesondere bei urologischen Risikofaktoren.
- Geringeres Risiko für narbige Phimose und spätere Operationsnotwendigkeit
- Geringere Rate bestimmter sexuell übertragbarer Infektionen, insbesondere HIV-Transmission in Hochprävalenzregionen.
- Mögliches geringeres Risiko für HPV-assoziierte Erkrankungen und Peniskarzinom.
Argumente gegen die prophylaktische neonatale Zirkumzision:
- Operativer Eingriff mit Schmerzen mit seltenen potenziell schwerwiegenden Komplikationen.
- Die Inzidenz des Peniskarzinoms ist bei guter Hygiene und niedrigem Grundrisiko sehr gering.
- Die Zirkumzision schützt nicht zuverlässig vor sexuell übertragbaren Infektionen und ersetzt keine Kondom-Nutzung oder HPV-Impfung.
- In Populationen mit niedrigem Erkrankungsrisiko ist die Number Needed to Treat sehr hoch.
| Priapismus | Suchen | Paraphimose |
Sachregistersuche: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Literatur
Leitlinie der EAU: EAU Guidelines Paediatric Urology
English Version: Phimosis
Urologielehrbuch.de ohne Werbung
Diese Internetseite ermöglicht mithilfe von Werbung den Volltext-Zugriff auf das aktuelle Urologielehrbuch.de. Viele Bilder sind zum Schutz von Laien verpixelt oder ausgeblendet. Regelmäßig wiederkehrende (fachkundige) Leser können die Werbebanner abschalten und Zugriff auf alle Abbildungen erhalten: Werden Sie Mitglied über die Crowdfunding-Plattform Steady und unterstützen Sie damit Urologielehrbuch.de.
Urologielehrbuch.de als Hardcover-Buch
Aktuell, detailliert und übersichtlich: Urologielehrbuch.de wird auch als hochwertiges Hardcover-Buch veröffentlicht. Die Neuauflage 2026 bietet eine umfassende und sorgfältig erarbeitete Aktualisierung. Sämtliche Kapitel berücksichtigen aktuelle Leitlinien und neue Entwicklungen. Eine gründliche redaktionelle Bearbeitung verbesserte die Sprache und den Stil. Zahlreiche neue und lehrreiche Abbildungen bereichern die Neuauflage. Auf 40 zusätzlichen Seiten bietet die Neuauflage noch mehr fundiertes Wissen für Klinik und Praxis.
⇒ Zur Bestellung.