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Von Dirk Manski

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Docetaxel: Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Dosierung

Wirkmechanismus von Docetaxel:

Docetaxel stabilisiert Mikrotubuli, indem es die Depolymerisation der Mikrotubuli hemmt. Die Stabilisierung führt zu einem Zellzyklus-Arrest in der G2/M-Phase und in der Folge zur Apoptose.

Urologische Indikation für Docetaxel:

Pharmakokinetik von Docetaxel

Docetaxel wird intravenös verabreicht, hepatische Metabolisierung über CYP3A4/5, Halbwertszeit 11 Stunden, biliär-fäkale Elimination.

Nebenwirkungen von Docetaxel:

Das Kühlen der Hände und Füße vor und während der Infusion kann die Nebenwirkungen auf Haut und periphere Nerven verringern.

Haut:

Exantheme (häufig makulopapulös) an Fuß, Hand und Unterarm in 50–70 %. Nagelveränderungen (Onychodystrophie u. Onycholyse) in 35 %.

Nervensystem:

Eine periphere sensible Neuropathie ist häufig und zumeist reversibel. Bei höhergradiger Neuropathie ist eine Dosisreduktion bzw. bei Persistenz ein Abbruch der Docetaxel-Therapie erforderlich.

Blutbild:

Neutropenie Grad 3/4 in 32 %, der Nadir tritt nach 7–10 Tagen ein und dauert eine Woche. Neutropenisches Fieber ist möglich.

Gastrointestinaltrakt:

Nebenwirkungen von Docetaxel sind Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe und Mukositis.

Weitere Nebenwirkungen durch Docetaxel:

Interstitielle Pneumonitis, Hepatotoxizität, sowie Tränenkanalstenose. Im Falle eines Paravasats sind schwere verzögerte Nekrosen möglich.

Kontraindikationen für Docetaxel:

Patienten im schlechten Allgemeinzustand, Vorsicht bei vorangegangener Radionuklidtherapie. Zeichen der Leberinsuffizienz (Bilirubinerhöhung oder Transaminasen über das 1,5fache der Norm und alkalische Phosphatase über 2,5fache der Norm). Allergische Reaktion nach Docetaxelgabe. Neutropenie (unter 1500/μl). Schwangerschaft und Stillen.

Dosierung von Docetaxel:

Die 3-wöchentliche Gabe mit 75 mg/m2 Docetaxel ist die Standarddosierung. Sie verbessert gegenüber der wöchentlichen Gabe die Überlebenszeit bei kastrationsresistentem Prostatakarzinom Tannock u.a. (2004), das wöchentliche Regime bietet jedoch ein höheres Sicherheitsprofil. Die 2-wöchentliche Gabe von 50 mg/m2 war in einer Studie besser verträglich bei gleicher Wirksamkeit als die 3-wöchige Gabe (Kellokumpu u.a., 2013).

Prämedikation vor Docetaxel-Infusion

Prämedikation mit Dexamethason 8 mg oral, jeweils 12 Stunden, 3 Stunden und 1 Stunde vor der Infusion von Docetaxel. Odansetron 8 mg p.o. 2 h vor Infusion von Docetaxel. Kühlen der Hände und Füße vor und während der Infusion. 5 mg Prednisolon 1-0-1 p.o. wird kontinuierlich über alle Zyklen verabreicht.

Docetaxel alle 3 Wochen:

75 mg/m2 Docetaxel über 60 min i. v. an Tag 1, Zyklusdauer 21 Tage.

Voraussetzungen für den nächsten Zyklus:

Neutrophile Granulozyten über 1500/μl, Thrombozyten über 100000/μl, Leberwerte siehe Kontraindikationen, kein Fieber oder signifikante Nebenwirkungen.






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Literatur

Kellokumpu-Lehtinen, P.-L.; Harmenberg, U.; Joensuu, T.; McDermott, R.; Hervonen, P.; Ginman, C.; Luukkaa, M.; Nyandoto, P.; Hemminki, A.; Nilsson, S.; McCaffrey, J.; Asola, R.; Turpeenniemi-Hujanen, T.; Laestadius, F.; Tasmuth, T.; Sandberg, K.; Keane, M.; Lehtinen, I.; Luukkaala, T.; Joensuu, H. & , P. R. O. S. T. Y. s. g. 2-Weekly versus 3-weekly docetaxel to treat castration-resistant advanced prostate cancer: a randomised, phase 3 trial.
Lancet Oncol 2013, 14, 117-124

Tannock u.a. 2004 TANNOCK, I. F. ; WIT, R. de ; BERRY, W. R. ; HORTI, J. ; PLUZANSKA, A. ; CHI, K. N. ; OUDARD, S. ; THEODORE, C. ; JAMES, N. D. ; TURESSON, I. ; ROSENTHAL, M. A. ; EISENBERGER, M. A.: Docetaxel plus prednisone or mitoxantrone plus prednisone for advanced prostate cancer.
In: N Engl J Med
351 (2004), Nr. 15, S. 1502–12

C. J. Sweeney et al., “Chemohormonal Therapy in Metastatic Hormone-Sensitive Prostate Cancer.,” N Engl J Med, vol. 373, no. 8, pp. 737–746, 2015.

  English Version: indications, mechanisms, and side effects of chemotherapy with docetaxel

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