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Olaparib, Chemotherapie und Hormontherapie des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (CRPC)
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Definition und Diagnose des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (CRPC)
Definition:
Das kastrationsresistente Prostatakarzinom (CRPC) ist durch steigende PSA-Werte oder Krankheitsprogress unter einer suffizienten antiandrogenen Therapie definiert. Je nach Nachweis von Metastasen in der Bildgebung wird vom Stadium M0 CRPC oder M1 CRPC gesprochen. Das M0 CRPC mit hohem Risiko hat eine PSA-Verdoppelungszeit von unter 10 Monaten.
Da das kastrationsresistente Prostatakarzinom weiterhin eine Hormonabhängigkeit zeigt, sollte die alte Bezeichnung hormonrefraktäres Prostatakarzinom (HRPC) nicht mehr verwendet werden (Miller, 2011). Die Fortsetzung der Androgendeprivation ist trotz Kastrationsresistenz sinnvoll und notwendigI sie ist die Basistherapie der im folgenden aufgeführten Systemtherapie, siehe Abb. Abb. Hormontherapie.
Mechanismus der Kastrationsresistenz:
- Veränderungen des Androgenrezeptors (Genamplifikation, Überexpression)
- Überexpression des Antiapoptose-Gens Bcl-2
- Aktivierung androgenunabhängiger Signaltransduktionswege für die Proliferation
- Androgenrezeptorkofaktoren erhöhen die Rezeptoraktivität
- intrazelluläre Synthese von Testosteron aus Cholesterin
Diagnostik bei CRPC:
Zur Diagnosesicherung des CRPC soll die Effektivität der medikamentösen Kastration durch eine Testosteronbestimmung kontrolliert werden.
Bildgebung:
Der Standard zum Nachweis von Metastasen sind ein CT (Abdomen und Thorax) und eine Knochenszintigraphie. Die moderne Bildgebung (PSMA-PET) führt zu einem früheren Metastasennachweis, unten genannte Empfehlungen (und Studienergebnisse) bei CRPC M0 oder M1 beruhen jedoch überwiegend auf den Ergebnissen der Standardbildgebung. Bei Progress der Erkrankung sollte die Bildgebung wiederholt werden.
Laborkontrollen:
Alle drei Monate PSA-Konzentration. Je nach Symptomatik oder V.a. Progress zusätzlich Blutbild, Elektrolyte, Kreatinin, Leberwerte und AP.
Genetische Testung:
Bei Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom soll eine molekulargenetische Testung auf therapierelevante HRR-Genalterationen, insbesondere BRCA1/2-Mutationen, geprüft werden. BRCA1/2-Mutationen können Keimbahn- oder somatische Mutationen sein; ihr Nachweis (11–14%) ist prädiktiv für das Ansprechen auf PARP-Inhibitoren.
Therapie des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (CRPC)
PARP-Inhibitor Olaparib:
Die Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP) beteiligt sich an der DNA-Reparatur der Zelle. Der PARP-Inhibitor Olaparib zeigte in der Zulassungsstudie ein deutliches Ansprechen bei Patienten mit BRCA-Mutationen und CRPC, die unter Enzalutamid oder Abirateron progredient waren: verlängertes progressionsfreies Überleben (7 vs. 4 Monate) und verlängertes Überleben (19 vs. 15 Monate). Hauptnebenwirkungen sind Anämie und Übelkeit (Bono u.a., 2020). Olaparib (Lynparza) ist seit 2020 in Europa zugelassen; Voraussetzungen sind Progress des CRPC unter Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitoren und der Nachweis von BRCA1/2-Mutationen.
Kombination von Olaparib mit Abirateron/Prednisolon:
Die PROpel-Studie zeigte bei Patienten mit M1-CRPC ohne Eignung für eine Chemotherapie und ohne Beschränkung auf BRCA-Mutationen eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (25 vs. 17 Monate) und des Gesamtüberlebens (42 vs. 35 Monate) (Saad et al, 2022). In der Subgruppenanalyse zeigte sich bei Patienten ohne BRCA-Mutationen nur ein geringer Vorteil im Gesamtüberleben (HR 0,91; 40 vs. 38 Monate), bei Patienten mit BRCA-Mutationen war der Unterschied im Gesamtüberleben deutlich (HR 0,29). Die Kombination von Abirateron, Prednisolon und Olaparib ist seit 2023 als Erstlinientherapie des M1-CRPC in Europa ohne verpflichtende genetische Testung zugelassen. In den USA wurde die Zulassung auf Patienten mit BRCA-Mutationen beschränkt; es bestehen Bedenken hinsichtlich des Nutzen-Risiko-Verhältnisses bei Patienten ohne BRCA-Mutationen.
PARP-Inhibitor Niraparib mit Abirateron
Die MAGNITUDE-Studie (Chi u.a., 2023) zeigte bei Patieten mit CRPC und BRCA-Mutationen, bei denen eine Chemotherapie nicht indiziert war, eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (20 vs. 11 Monate). Dies zeigte sich auch bei Patienten mit anderen HRR-Genmutationen (17 vs. 14 Monate). Die Analyse zum Gesamtüberleben zeigt bisher keine Unterschiede. Die fixe Kombination Akeega (Niraparib/Abirateron 100 mg/500 mg, zwei Tabletten täglich) ist seit 2023 in Europa für die Erstlinientherapie bei Patienten mit CRPC und BRCA-Mutationen zugelassen; Prednisolon ist zusätzlich zu verordnen.
PARP-Inhibitor Talazoparib mit Enzalutamid:
Die TALAPRO2-Studie (Agarwal u.a., 2023) zeigte bei Patieten mit CRPC eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (HR 0,63). Eine Analyse zum Gesamtüberleben liegt noch nicht vor. In der Subgruppenanalyse zeigte sich bei Patienten ohne BRCA-Mutationen ein deutlich geringerer Vorteil (HR 0,70), bei Patienten mit BRCA-Mutationen war der Unterschied deutlich (HR 0,2). Talazoparib mit Enzalutamid ist seit 2024 in Europa für die Erstlinientherapie bei Patienten mit CRPC zugelassen, wenn eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist. Für eine Behandlung mit Talazoparib ist der Nachweis einer BRCA-Mutation nicht obligat. In den USA ist Talazoparib nur bei BRCA-Mutationen zugelassen. Die empfohlene Dosis für die Kombination beträgt 0,5 mg Talazoparib und 160 mg Enzalutamid einmal täglich.
Glukokortikoide bei kastrationsresistentem Prostatakarzinom:
Glukokortikoide können eine schwache Remission bewirken und sind eine Option in der Palliativmedizin.
Abirateron bei M1 CRPC:
Abirateron ist ein CYP-17-Inhibitor und somit ein Hemmer der Testosteron-Biosynthese. Abirateron ist auch ohne Olaparib zugelassen für die Therapie des M1 CRPC vor und nach Docetaxel-Chemotherapie. Dosierung: 1000 mg 1-0-0 p.o. in Kombination mit Prednisolon 10 mg/d und Standard-Androgendeprivation. Abirateron verlängert bei Patienten mit CRPC (nach Docetaxel-Chemotherapie) das Überleben (14,8 vs. 10,9 Monate gegen Placebo) (Bono u.a., 2011). Abirateron verbessert auch die Prognose in der Anwendung vor Docetaxel-Chemotherapie: Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (16,5 vs. 8,3 Monate) und des Gesamtüberlebens (Ryan u.a., 2013). Nebenwirkungen sind Ödembildung, Hypokaliämie und Hypertonie durch Erhöhung der Mineralokortikoide . Wichtige Nebenwirkungen sind Hepatotoxizität, Ödembildung, Hypokaliämie und Hypertonie durch Erhöhung der Mineralokortikoide, weitere Details siehe Pharmakologie und Nebenwirkungen von Abirateron. Die Behandlung wird bei Progress oder Unverträglichkeit beendet.
Enzalutamid bei M0 und M1 CRPC:
Enzalutamid ist ein moderner Androgenrezeptorantagonist und zugelassen für die Therapie des M0 CRPC mit hohem Risiko und des M1 CRPC vor und nach Docetaxel-Chemotherapie. Die Dosierung beträgt 160 mg Enzalutamid (vier 40 mg Kapseln) p.o. einmal täglich in Kombination mit Standard-Androgendeprivation. Die zusätzliche Gabe von Prednisolon ist möglich, aber nicht notwendig. In Phase III-Studien zeigte sich mit Enzalutamid ein signifikant verlängertes Gesamtüberleben oder progressionsfreies Überleben. Wichtige Nebenwirkungen sind Hitzewallungen, Durchfall, Kopfschmerzen und selten Epilepsie, weitere Details siehe Pharmakologie und Nebenwirkungen von Enzalutamid. Die Behandlung wird bei Progress oder Unverträglichkeit beendet.
Apalutamid bei M0 CRPC:
Apalutamid ist ein moderner Androgenrezeptorantagonist und zugelassen für die Therapie des M0 CRPC mit hohem Risiko (PSA-Verdopplungszeit unter 10 Monate). Die Dosierung beträgt 240 mg (vier 60 mg Kapseln) p.o. einmal täglich in Kombination mit Standard-Androgendeprivation. Apalutamid konnte bei M0 CRPC mit hohem Risiko (PSA-Verdopplungszeit unter 10 Monate) eine Verlängerung des medianen metastasenfreien Überlebens (41 versus 16 Monate) erreichen (Smith u.a, NEJM 2018, SPARTAN). Wichtige Nebenwirkungen sind Hautausschläge, weitere Details siehe Pharmakologie und Nebenwirkungen von Apalutamid. Die Behandlung wird bei Progress oder Unverträglichkeit beendet.
Darolutamid bei M0 CRPC:
Darolutamid ist ein moderner Androgenrezeptorantagonist und zugelassen für die Therapie des M0 CRPC mit hohem Risiko (PSA-Verdopplungszeit unter 10 Monate). Die Dosierung beträgt Dosierung 600 mg Darolutamid (zwei 300 mg Kapseln) p.o. morgens und abends mit den Mahlzeiten, Tagesdosis 1200 mg. Die zusätzliche Gabe von Prednisolon wird nicht empfohlen. In der Zulassungsstudie (ARAMIS) verbesserte die Behandlung mit Darolutamid kombiniert mit der klassischen antiandrogenen Therapie das metastasenfreie Überleben (40 Monate vs. 18 Monate mit Placebo und Hormontherapie), das Gesamtüberleben war im Trend ebenfalls besser (Fizazi u.a., 2019). Nebenwirkungen und weitere Details siehe Pharmakologie und Nebenwirkungen von Darolutamid.
Docetaxel: Erstlinien-Chemotherapie des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms
Bei kastrationsresistentem Prostatakarzinom ist hinsichtlich der Überlebenszeit durch Chemotherapie nur eine moderate Verbesserung möglich. Die Chemotherapie kann jedoch Schmerzen bei fortgeschrittener Erkrankung bessern. Nach vorausgegangener Therapieintensivierung mit Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitoren im kastrationssensiblen Stadium wird die Chemotherapie im CRPC vor allem sequenziell gegenüber anderen Optionen abgewogen. Eine Chemotherapie ist besonders relevant bei rascher oder symptomatischer Progression, viszeralen Metastasen, fehlender Eignung für 177Lu-PSMA , gutem Allgemeinzustand oder fehlenden BRCA-Mutationen. Die dreiwöchentliche Gabe von Docetaxel 75 mg/m2 in Kombination mit Prednisolon ist die wirksamste Kombination. Pharmakologie und Nebenwirkungen von Docetaxel siehe Kapitel Chemotherapie/Docetaxel .
Cabazitaxel: Zweitlinien-Chemotherapie des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms:
Cabazitaxel, ein Taxan,, bleibt eine Therapieoption beim M1-CRPC nach Docetaxel-Therapie, Vorbehandlung mit einem Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor und ohne Nachweis von HRR-Mutation. Bei PSMA-positiver Erkrankung ist die Sequenz gegenüber 177Lu-PSMA zu prüfen. Die Dosierung beträgt 25 mg/mm2 i. v. alle 3 Wochen, zusätzlich Prednisolon 10 mg/d.
Prävention von ossären Komplikationen des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms
30–50% der Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom leiden unter pathologischen Frakturen aufgrund von Skelettmetastasen. Die regelmäßige Gabe eines Bisphosphonats (Zoledronsäure) oder eines RANK-Ligand-Inhibitors (Denosumab) hemmt die Osteoklasten und senkt die Morbidität infolge der Komplikationen von Knochenmetastasen. Beide Medikamente werden ab dem kastrationsresistenten Stadium bei symptomatischen Knochenmetastasen und erhöhtem Frakturrisiko empfohlen.
Zoledronsäure:
Das Bisphosphonat Zoledronsäure zeigte in Phase III-Studien eine Reduktion der Skelettkomplikationen (33 vs. 44%) (Saad u.a., 2004). Renale Nebenwirkungen und Kieferosteonekrose (2–5%) sind schwere Komplikationen. Dosierung: 4 mg Zoledronsäure i.v. alle 4 Wochen.
Denosumab:
Denosumab ist ein humaner monoklonaler Antikörper, der über Interaktion mit RANKL und RANK die Osteoklasten hemmt. Denosumab wurde in einer Phase III-Studie vorteilhaft gegen Zoledronsäure getestet: 20,7 Monate vs. 17,1 Monate bis zum Auftreten erster Skelettkomplikationen. Denosumab wird subkutan verabreicht, die Dosierung beträgt 120 mg alle 4 Wochen. Die Häufigkeit der Kieferosteonekrose ist vergleichbar mit Zoledronsäure (Fizazi u.a., 2011). Zur Prävention der Osteoporose beträgt die Dosierung von Denosumab 60 mg s.c. alle 6 Monate.
Strahlentherapie der Knochenmetastasen des Prostatakarzinoms
Bestrahlung von schmerzhaften Knochenmetastasen des Prostatakarzinoms:
Bei einzelnen oder wenigen gut lokalisierbaren schmerzhaften Knochenmetastasen ist die palliative externe Strahlentherapie die Methode der Wahl. Mögliche Standardschemata sind 8 Gy als Einmalfraktion, 20 Gy in 5 Fraktionen oder 30 Gy in 10 Fraktionen.
Intravenöse Radionuklide:
223Ra (Radium-223) ist ein etablierter Alpha-Emitter für Patienten mit M1 CRPC, symptomatischen ossären Metastasen und fehlenden viszeralen Metastasen. Radium-223 wird in Knochenumbauzonen eingebaut und kann Überleben sowie Zeit bis zu skelettbezogenen Komplikationen verlängern (Parker u.a., 2013). Aufgrund des erhöhten Frakturrisikos darf 223Ra nicht mit Abirateron kombiniert werden; bei mild symptomatischen oder ausschließlich asymptomatischen Knochenmetastasen ist der Nutzen kritisch gegen das Risiko abzuwägen.
177Lu-PSMA-Liganden binden an PSMA-exprimierende Prostatakarzinomzellen und setzen lokal Betastrahlung frei. Voraussetzung ist eine ausreichende PSMA-Expression in der diagnostischen PSMA-PET ohne relevante PSMA-negative Tumormanifestationen. In der VISION-Studie verlängerte 177Lu-PSMA-617 bei vorbehandelten Patienten mit PSMA-positivem M1-CRPC das radiologisch progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben (Sartor u.a., 2021). Die Therapie ist eine wichtige Option nach Progress unter Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitoren und nach Taxan-Chemotherapie. In den USA wurde die Indikation 2025 auf geeignete Patienten nach ARPI-Therapie vor Taxan-Chemotherapie erweitert. Häufige Nebenwirkungen sind Fatigue, Übelkeit, Mundtrockenheit, Myelosuppression und Nierenfunktionsverschlechterung.
Therapie von Harnstau:
Durch lokalen Progress oder Lymphknotenmetastasen besteht die Möglichkeit einer obstruktiven Uropathie des oberen Harntrakts. Die Harnableitung mit Ureterstents hat bei lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom mit Infiltration des Trigonums eine hohe Versagerquote (Obstruktion, Infektion, Blutung und Schmerzen), die perkutane Nephrostomie ist dann notwendig.
Zukunftsaussichten zur Behandlung des CRPC:
Neue Therapieansätze beim M1 CRPC konzentrieren sich zunehmend auf molekulare Selektion, Überwindung der Androgenrezeptor-Resistenz, zielgerichtete Radioligandentherapie und T-Zell-vermittelnde Immuntherapien.
PARP-Inhibitoren:
Rucaparib zeigte in der TRITON-3-Studie Wirksamkeit und ist in den USA für BRCA-mutiertes mCRPC zugelassen.
Cabozantinib und Immuncheckpoint-Inhibition:
In klinischen Studien konnte bisher kein Überlebensvorteil demonstriert werden.
CDK4/6-Inhibitoren:
Hemmer von Cyclin-abhängigen Kinasen (Ribociclib, Abemaciclib) konnten in Kombination mit Chemotherapie oder neuerer ADT bisher keinen Überlebensvorteil demonstrieren.
PI3K/AKT-Signalweg:
Der PI3K/AKT-Signalweg ist ein wichtiger Mechanismus der Kastrationsresistenz; mehrere Substanzen (Ipatasertib, Capivasertib) mit Einfluss auf den PI3K/AKT-Signalweg sind in der klinischen Prüfung.
Androgenrezeptor-Signalweg:
Weitere Androgensynthesehemmer und Androgenrezeptor-Degrader werden entwickelt. BMS-986365 wird in der Phase-III-Studie rechARge geprüft.
T-Zell-vermittelnde Immuntherapien:
Gegen Prostatakarzinomproteine werden mehrere Mechanismen erprobt: BiTE (bispezifischer T-Zell-Engager) oder CAR-T-Zellen (chimäre Antigenrezeptor-T-Zellen). Xaluritamig, ein STEAP1-gerichteter T-Zell-Engager, wird in Phase-III-Studien bei M1 CRPC geprüft.
Epigenetische Therapieansätze:
Der EZH2-Inhibitor Mevrometostat wird in Kombination mit Enzalutamid in Phase-III-Studien geprüft.
Weitere Ansätze:
Radioliganden gegen PSMA oder andere Zielstrukturen sowie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate werden klinisch geprüft.
Nachsorge des Prostatakarzinoms
Nachsorge nach kurativer Therapie
Die Nachsorgeuntersuchungen bestehen in der Beurteilung der Therapienebenwirkungen (Miktion, Sexualität, ...) und Bestimmung der PSA-Konzentration. Die rektale Untersuchung ist nach radikaler Prostatektomie bei unauffälliger PSA-Konzentration nicht notwendig; nach Strahlentherapie ist ihr Zusatznutzen ohne PSA-Anstieg gering. Eine Bildgebung ist nur bei Verdacht eines Lokalrezidivs oder Krankheitsprogress sinnvoll und wenn die Bildgebung Einfluss auf die weitere Therapie hat. Zu den Einzelheiten der Diagnostik und Therapie bei einem Rezidiv nach RPE oder EBRT siehe entsprechende Abschnitte oben.
Die Zeitpunkte der Nachsorge sind nicht prospektiv validiert. Die EAU-Leitlinien empfehlen folgende Zeitpunkte: dreimal im ersten Jahr (3, 6 und 12 Monate nach Therapie), alle 6 Monate im zweiten und dritten Jahr nach Therapie, danach jährlich.
Nachsorge unter Hormontherapie
Drei und sechs Monate nach Beginn einer Hormontherapie sollten Verträglichkeit und klinischer Erfolg (Beschwerden, PSA-Werte) ermittelt werden. Die Testosteronbestimmung ist fakultativ, jedoch obligat bei schlechtem Ansprechen auf die Therapie mit GnRH-Analoga.
Die weiteren Nachsorgeuntersuchungen werden individuell in Abhängigkeit vom Progressionsrisiko gestaltet. Bei Patienten im Stadium M0 mit gutem Ansprechen der Hormontherapie genügen PSA-Kontrollen und klinische Untersuchungen alle 6 Monate. Patienten mit klinischen Metastasen benötigen häufiger Kontrollen, zusätzlich Bestimmung von Blutbild, Kreatinin, Leberwerten und AP. Die Bildgebung sollte nach Beschwerdebild und klinischer Konsequenz individuell durchgeführt werden.
Prävention des Prostatakarzinoms
5α-Reduktasehemmer und Prostatakarzinomrisiko
Aus den Langzeit-Studien der 5α-Reduktasehemmer zur BPH-Therapie ist eine niedrigere Detektionsrate von Prostatakarzinomen in den Verumgruppen bekannt. Für Dutasterid konnte in der REDUCE-Studie eine verminderte Inzidenz nachgewiesen werden. Nach 4 Jahren Therapie mit Dutasterid 0,5 mg/d betrug die Neuerkrankungsrate bei Patienten mit erhöhtem Risiko 20 % (Dutasterid) vs. 25 % (Placebo) (Andriole u.a., 2010). Der Einfluss von 5α-Reduktasehemmern auf die prostatakarzinomspezifische Mortalität bleibt unklar; eine medikamentöse Primärprävention wird nicht empfohlen.
Selen und Prostatakarzinomrisiko
Frühere prospektive, randomisierte und Case-control-Studien berichteten teilweise präventive Effekte von Selen auf die Entstehung des Prostatakarzinoms. Die aussagekräftige SELECT-Studie konnte jedoch keinen präventiven Effekt nachweisen; eine Selensubstitution zur Prävention des Prostatakarzinoms wird nicht empfohlen.
SELECT-Studie:
Substitution mit Selen, Vitamin E, Selen kombiniert mit Vitamin E oder Placebo (randomisiert, n=36 000 Männer): keine Unterschiede zwischen Verumgruppen und Placebo (Lippman u.a., 2009).
Antioxidantien und Prostatakarzinomrisiko:
Sowohl Vitamin C als auch Vitamin E haben antioxidative Eigenschaften, welche mit einer Reduktion von Krebserkrankungen in Verbindung gebracht werden. Die Physicians Health Study II (randomisiert, n=14 600) konnte keinen protektiven Effekt von Vitamin C oder Vitamin E nachweisen (Gaziano u.a., 2009). In der SELECT-Studie senkte Vitamin E das Prostatakarzinomrisiko nicht; im Langzeit-Follow-up war die Vitamin-E-Substitution mit einem erhöhten Prostatakarzinomrisiko assoziiert. Eine Substitution von Vitamin C oder Vitamin E zur Prävention des Prostatakarzinoms wird nicht empfohlen.
Inhibition der Cyclooxygenase (COX) und Prostatakarzinomrisiko
Beobachtungsstudien berichteten ein niedrigeres Prostatakarzinomrisiko bei Patienten mit regelmäßiger Einnahme von Acetylsalicylsäure. Wegen fehlender prospektiver Präventionsdaten und relevanter Nebenwirkungen wird eine COX-Inhibition nicht zur Prävention des Prostatakarzinoms empfohlen.
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