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Harnblasenverletzung durch Perforation oder Ruptur
Definition
Harnblasenverletzungen treten häufig im Rahmen von Beckenfrakturen auf. Seltenere Verletzungsmuster sind Schuss- oder Stichverletzungen sowie iatrogene Verletzungen im Rahmen von Operationen. EAU Guidelines: Urological Trauma.
Einteilung der Harnblasenverletzung nach AAST:
- Grad I: Hämatom oder partielle Lazeration der Harnblasenwand
- Grad II: extraperitonealer Einriss der Harnblasenwand unter 2 cm
- Grad III: extraperitonealer Einriss der Harnblasenwand über 2 cm oder intraperitonealer Einriss der Harnblasenwand unter 2 cm
- Grad IV: intraperitonealer Einriss der Harnblasenwand über 2 cm
- Grad V: Harnblasenverletzung mit Ausdehnung in das Trigonum oder die Sphinkterregion
Ursachen (Ätiologie) der Harnblasenverletzung
Beckenfraktur:
Die Verletzung der Harnblase im Rahmen einer Beckenfraktur entsteht meist durch Scherkräfte, seltener durch Perforation durch Frakturfragmente. Die Verletzung ist überwiegend extraperitoneal.
Harnblasenruptur:
Bei gefüllter Harnblase kann eine stumpfe Gewalteinwirkung auf den Unterbauch (z.\,B. bei Verkehrsunfällen) zu einer plötzlichen intravesikalen Druckerhöhung und Harnblasenruptur führen. Dies verursacht meist eine intraperitoneale Ruptur am Harnblasendach.
Penetrierende Verletzungen:
Stich- oder Schussverletzung führen zu einer intraperitonealen Harnblasenverletzung mit begleitenden Darm- oder Gefäßverletzungen.
Iatrogene Verletzung:Durch Beckenchirurgie oder transurethrale Eingriffe, z.B. Sectio, vaginale Hysterektomie, TVT-Implantation oder TURB.
Symptome (Klinik) der Harnblasenverletzung
Beckenfraktur:
Beckenschmerzen, Instabilität bei Kompression der Beckenschaufeln, Schock, gluteale Hämatome, Unterbauchdruckschmerz.
Harnblasenverletzung:
Makrohämaturie, fehlende Urinproduktion, Unterbauchschmerzen, Peritonitis, steigende Retentionsparameter durch Kreatininresorption.
Diagnose
Heute ist die CT-Zystographie mit retrograder Kontrastmittelfüllung der Harnblase das diagnostische Verfahren der Wahl [Abb. CT-Abdomen mit Harnblasenruptur]. Sie erlaubt gleichzeitig die Beurteilung von Begleitverletzungen. Bei Verdacht auf Harnröhrenverletzung sollte vor Katheterisierung ein Urethrogramm durchgeführt werden. Bei fehlender Verfügbarkeit der CT werden konventionelle Röntgenaufnahmen des Beckens angefertigt (ohne und mit Kontrastmittelfüllung der Harnblase).
Therapie der Harnblasenverletzung
Konservative Therapie:
Unkomplizierte extraperitoneale Harnblasenrupturen können durch transurethrale Katheterdrainage behandelt werden. Voraussetzung ist der Ausschluss von Frakturfragmenten in der Harnblase sowie von Harnblasenhalsverletzungen, rektalen oder vaginalen Begleitverletzungen. Vor Katheterentfernung sollte eine Kontrollzystographie durchgeführt werden.
Operative Therapie:
Komplexe extraperitoneale und alle intraperitonealen Harnblasenrupturen werden operativ versorgt. Als operativer Zugang bietet sich bei ausschließlicher Harnblasenverletzung die mediane Unterbauchlaparotomie an. In ausgewählten Fällen ist auch eine laparoskopische Versorgung möglich. Die Bauchhöhle wird auf Begleitverletzungen untersucht. Die Blasenverletzung wird mit resorbierbarem Nahtmaterial wasserdicht in mehreren Schichten verschlossen.
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Literatur Harnblasenverletzung
Machtens u.a. 2000 MACHTENS, S.. ; STIEF, C. G. ; HAGEMANN, J. ; PFINGST, G. ; GäNSSLEN, A. ; POHLEMANN, T. ; TRUSS, M. C. ; KUCZYK, M. A. ; BECKER, A. J. ; JONAS, U.: Management traumatischer Läsionen von Harnblase und Urethra.In: Urologe B
40 (2000), S. 560–571
English Version: Bladder injury
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