Zusammenfassende Literatur Hodentumor: Empfehlungen der European Germ Cell Cancer Consensus Group (EGCCCG) (Krege et al., 2008a) (Krege et al., 2008b).
| Stadium | Seminom | Nichtseminom |
| Stadium I | 1 Zyklus Carboplatin (hohes Risiko) oder adjuvante Strahlentherapie mit 20 Gy (hohes Risiko) oder engmaschige Kontrollen (niedriges Risiko) |
2 Zyklen Chemotherapie (hohes Risiko) oder engmaschige Kontrollen (niedriges Risiko) oder nerverhaltende RLA |
| Stadium IIA | Strahlentherapie (30 Gy) | Positive Tumormarker: 3 Zyklen PEB Negative Tumormarker: nervenschonende RLA oder Restaging (CT) in 6 Wochen (siehe Text). |
| Stadium IIB | Strahlentherapie (36 Gy) oder 3 Zyklen PEB |
3–4 Zyklen PEB (je nach IGCCCG-Risiko) |
| Stadium IIC-III (gute Prognose) |
3 Zyklen PEB | 3 Zyklen PEB |
| Stadium IIC-III (mittlere Prognose) |
4 Zyklen PEB | 4 Zyklen PEB |
| Stadium IIC-III (schlechte Prognose) |
- | 4 Zyklen PEB oder Hochdosis-Chemotherapie in Studien |
| Residualtumor nach Chemotherapie | RLA nur bei PET-aktiven Resttumoren über 3 cm | RLA bei Resttumoren > 1–2 cm |
inguinaler Zugang zum Leistenkanal, Darstellung des Samenstrangs und Absetzen des Organpräparates am inneren Leistenring. Technik und Komplikationen siehe Kapitel Inguinale Orchiektomie. Die inguinale Orchiektomie ist immer der erste Therapieschritt, außer bei lebensbedrohlichen Metastasen, welche zunächst eine Chemotherapie erfordern.
Bei Unsicherheit bezüglich der Diagnose wird bei abgeklemmtem Samenstrang eine organerhaltende Tumorresektion durchgeführt. Das Präparat wird zur Schnellschnitt-Diagnose gesendet. Eine Orchiektomie wird bei Nachweis eines Keimzelltumors durchgeführt, bei benignen Tumoren genügt die organerhaltende Tumorresektion.
s. o. unter Diagnostik des Hodentumors.
Kombinations-Chemotherapie mit Cisplatin, Etoposid und Bleomycin, ein Zyklus PEB dauert 21 Tage:
Die Indikationen zur PEB-Chemotherapie sind fortgeschrittene Seminome ab Stadium IIC, Nichtseminome mit nachgewiesener Metastasierung (ab Stadium II), ein Tumorrezidiv nach Radiatio oder nach einer Lymphadenektomie. Es werden mindestens 3 Zyklen PEB verabreicht, bei großer Tumorlast mindestens 4 Zyklen.
Bei Nichtseminomen mit hohem Metastasierungsrisiko (Stadium I) ist eine prophylaktische Chemotherapie PEB mit 2 Zyklen indiziert.
Mittel der Wahl ist die Bestrahlung des Hodens mit 20 Gy (10 × 2 Gy über 2 Wochen). Nachteilig ist die permanente Zerstörung der Spermatogenese, die Testosteronproduktion bleibt oft erhalten. Kontrollen der Testosteronkonzentration sind jedoch notwendig.
Bei Pat. mit Kinderwunsch und TIN im kontralateralen Hoden nach Orchiektomie kann aufgrund der Latenz zwischen TIN und Hodentumor von 5 Jahren auf die Vaterschaft unter engen klinischen Kontrollen gewartet werden.
Eine Chemotherapie heilt die TIN in 66 % der Fälle, eine Radiatio der TIN sollte nicht zusätzlich durchgeführt werden. 2 Jahre nach Chemotherapie ist eine Hodenbiopsie zur Kontrolle notwendig.
Die Orchiektomie aufgrund einer TIN ist eine sinnvolle Option bei zufälliger Entdeckung im Rahmen der Diagnostik einer Infertilität oder bei extragonadalen Keimzelltumoren, insbesondere wenn der Hoden atroph ist.
Nach der inguinalen Ablatio testis beträgt das Progressionsrisiko für Stadium I-Seminome bis zu 30 %. Folgende Möglichkeiten existieren für die adjuvante Therapie:
die prophylaktische Bestrahlung der retroperitonealen Lymphknoten reduziert das Rezidivrisiko auf 3–4 %. Die Empfehlung für die Gesamtdosis wird in der EAU-Leitlinie 2008 von 26 Gy auf 20 Gy reduziert, die Dosis wird in Einzeldosen von 2 Gy in 2 Wochen verabreicht. Feldgrenzen: Oberkante BWK 11–Unterkante LWK 5, ipsilateral Nierenhilus und kontralateral Querfortsätze der Wirbel.
Die Nebenwirkungen der Strahlentherapie sind insgesamt selten und milde: neben der Toxizität auf den Darm ist die seltene Induktion von Zweitmalignomen zu nennen.
Risikofaktoren für den Progress sind eine Primärtumorgröße über 4 cm und die Tumorinvasion in das Rete testis. Das Risiko des Progresses beträgt ohne Risikofaktoren 12 %, bei einem Risikofaktor 16 % und bei Vorliegen von 2 Risikofaktoren von 32 %.
1 Zyklus Carboplatin in der Dosierung von AUC (area under the curve) von 7 reduziert das Rezidivrisiko auf 3–4 %. Siehe Abschnitt Carboplatin zur Berechnung der Dosis und zur Pharmakologie.
Im Vergleich zur Strahlentherapie existieren folgende Vorteile: die Kürze und Einfachheit der adjuvanten Therapie und die Reduktion des Risikos für kontralaterale Hodentumoren (2 von 573 vs. 10 von 904 im Vergleich zur Strahlentherapie).
Nachteilig ist die bisher kurze Verlaufszeit von 4 Jahren der kontrollierte Studie Stahlentherapie vs. Carboplatin der MRC/EORTC.
Die Bestrahlung der retroperitonealen Lymphknoten erfolgt mit 30 Gy (II A) bzw. 36 Gy (II B). Die Fraktionierung beträgt 2 Gy/d und 5 Bestrahlungen pro Woche. Das Bestrahlungsfeld wird im Vergleich zu Stadium I auf die ipsilaterale Iliakal/Inguinalregion ausgedehnt. Nach therapeutischer Bestrahlung ist im Stadium II A zu 5 %, im Stadium II B zu 11 % mit einem Rezidiv zu rechnen. Die Heilungsrate beträgt insgesamt 99 %.
Im Stadium II B kann alternativ auch eine Chemotherapie mit 3 Zyklen PEB (wie im Stadium IIC) erfolgen.
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Dr. med. Dirk Manski
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