Dr. med. Dirk Manski

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Therapie der Penisverkrümmung: Nesbit-Operation und Grafting

Indikationen zur Operation bei Penisverkrümmung

Penisdeviationen, welche seit 1 bis 2 Jahren ohne Veränderung bestehen und ein mechanisches Hindernis für den GV darstellen, sind durch eine Operation therapierbar.

Nesbit-OP oder Plikatur-Technik:

Deviation unter 60 Grad, ausreichende Penislänge, keine Penisverengung.

OP mit Plaqueinzision und Grafting der Tunica albuginea:

bei starken Deviationen, bei kurzem Penis, bei Penisverengung.

Kontraindikationen für Operationen bei Penisverkrümmung

Aktive IPP-Erkrankung, therapierefraktäre erektile Dysfunktion, eingeschränkte Lebenserwartung.

Technik der Operationen bei Penisdeviation

Patientenvorbereitung:

Ausschluss oder Therapie einer Harnwegsinfektion. Perioperative Antibiotikaprophylaxe. Rückenlagerung. Voll- oder Spinalnarkose.

Operativer Zugang:

bei distalen und mittleren Läsionen Zirkumzisionszugang und Freilegung des Penisschafts bis zur Basis. Bei proximalen Läsionen kann zusätzlich eine seitliche skrotale Inzision notwendig werden, der Penis wird dann durch diese Inzision durchgezogen und die Schafthaut beiseite geschwenkt.

Freilegung des dorsalen Gefäß-Nervenbündels:

Die Buck’sche Faszie wird beidseits lateral des Gefäß-Nervenbündels inzidiert und das Gefäß-Nervenbündel unterminiert. Dieses Manöver ist bei ventraler Deviation oder bei Inzision von dorsalen Plaques notwendig.

Artifizielle Erektion:

laterale Punktion des Corpus cavernosum an der Penisbasis und Injektion von physiologischer Kochsalzlösung. Bei distalen Deviationen kann ein Gummizügel als Blutsperre eingesetzt werden.
Alternativ kann die künstliche Erektion mit PGE1-Injektionen erreicht werden.

Operation nach Nesbit:

Die Operation nach Nesbit beinhaltet die ovaläre Exzision der Tunica albuginea an der konvexen Seite der Deviation. Der Verschluss der Tunica albuginea mit PDS Einzelknopfnähten begradigt den Penisschaft [Abb. Operation nach Nesbit], die Naht sollte wasserdicht sein (intraoperative Prüfung durch eine artifizielle Erektion) (Nesbit, 1965) (Nesbit, 2002).


Operation der Penisdeviation nach Nesbit: ovaläre Exzision der Tunica albuginea und Naht zur Begradigung des Penisschafts.
Abbildung Operationstechnik der Penisdeviation nach Nesbit

Plikationstechnik nach Schroeder und Essed:

auf die Exzision der Schwellkörperwand wie im Nesbit-Verfahren wird verzichtet. Die Anlage von nichtresorbierbaren Nähten [Abb. Operation nach Schroeder und Essed] verkürzt die Schwellkörperwand an der konvexen Seite und sorgt für den Ausgleich der Deviation (Essed und Schroeder, 1985).


Abbildung Operationstechnik der Penisdeviation nach Essed und Schroeder
Operation der Penisdeviation nach Schroeder und Essed: Plikationsnaht zur Begradigung des Penisschafts.

Plaqueinzision und Defektdeckung:

Inzision der konkaven Seite, um eine Begradigung des Schaftes zu ermöglichen. Manche Autoren befürworten eine komplette Entfernung der Plaques. Der entstehende Defekt in der Tunica albuginea muss nach Begradigung gedeckt werden:


Operation der Penisdeviation mit Grafting: Freilegung des dorsalen Gefäß-Nervenbündels und H-förmige Inzision/Exzision des Plaques (linkes Bild). Durch die Inzision kann der Penis begradigt werden, der Defekt muss mit einem Transplantat gedeckt werden (rechtes Bild).
Abbildung: Operation der Penisdeviation mit Grafting

Hauttransplantat (dermales Graft):

oberhalb der Spina iliaca ant. sup. wird das Stratum corneum mit dem Dermatom entfernt. Das Dermis-Transplantat ist mit einer Vergrößerung von 30 % ausgehend von der Lücke in der Tunica albuginea zu planen. Das subkutane Fettgewebe muss komplett von der Rückseite der Dermis entfernt werden. Hautnaht an der Entnahmestelle. Das Hauttransplantat wird fortlaufend mit PDS wasserdicht eingenäht. Nach Deckung des Defektes wird das Operationsergebnis und die Dichtigkeit der Naht durch eine artifizielle Erektion überprüft.

Venenwand:

z. B. V. saphena magna. Nachteilig sind die potentielle Morbidität der Entnahmeoperation und der Verlust der Vene für zukünftige kardiale Bypass-Operationen.

Käufliches Material:

z. B. Tachosil (zellfreies Material) oder Tutopatch (humane Fascia lata). Käufliches Material zur Deckung des Defektes bietet Vorteile: die Entnahmeoperation entfällt und der Graft hat eine konstante Qualität.

Wundverschluss:

Fortlaufender Verschluss der Buck’schen Faszie mit PDS 3–0, Einlage von Redon-Wunddrainagen zwischen Dartos und Buck’scher Faszie. Hautnaht mit schnell resorbierbarem Nahtmaterial der Stärke 4–0. DK 14 Ch.

Nachsorge nach Operationen bei Penisverkrümmung

Entfernung der Drainagen und des DKs am ersten oder zweiten pOP Tag. Bicalutamid 50 mg 1–0–0 für 2 Wochen (oder Benzodiazepine) gegen schmerzhafte Erektionen und zur Schonung der Schwellkörpernaht. Nach 2 Wochen sind Erektionen und Manipulationen des Penis zur Verhinderung von Hautadhäsionen erwünscht. Für den GV ist die Defektdeckung jedoch noch zu instabil. Nach 3 Monaten ist der Graft stabil eingeheilt.

Komplikationen nach Operationen bei Penisverkrümmung

Penishämatom, Infektion, erneute Deviation, erektile Dysfunktion, Nervenverletzung mit Glanshypästhesie, Penisschaftverengungen (Sanduhrdefekt).







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Literatur Penisdeviation Operationen

Essed und Schroeder 1985 ESSED, E. ; SCHROEDER, F. H.:
New surgical treatment for Peyronie disease.
In: Urology
25 (1985), Nr. 6, S. 582–7

Nesbit 1965 NESBIT, R. M.:
Congenital Curvature of the Phallus: Report of Three Cases with Description of Corrective Operation.
In: J Urol
93 (1965), S. 230–2

Nesbit 2002 NESBIT, R. M.:
Congenital curvature of the phallus: report of three cases with description of corrective operation. 1965.
In: J Urol
167 (2002), Nr. 2 Pt 2, S. 1187–8; discussion 1189