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Prostatakarzinom: Therapieoptionen nach aktuellen Leitlinien
Leitliniengerechte Therapieoptionen des Prostatakarzinoms
Auf den folgenden Seiten können Sie das Urologielehrbuch probelesen, auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht für die Therapieoptionen des Prostatakarzinoms. Es folgt eine Anleitung für die Aktive Überwachung zur Vermeidung von Übertherapie und Nebenwirkungen. Für andere Abschnitte des Prostatakarzinoms siehe folgende Linkliste:
- Prostatakarzinom: Definition, Epidemiologie und Ursachen
- Prostatakarzinom: Pathologie
- Prostatakarzinom: Klinik, Vorsorgeuntersuchung, PSA
- Prostatakarzinom: Diagnose, Bildgebung, Staging
- Prostatakarzinom: Therapieübersicht, aktive Überwachung
- Prostatakarzinom: Operation
- Prostatakarzinom: Therapie (Strahlentherapie)
- Prostatakarzinom: Therapie (Brachytherapie, Kryotherapie, HIFU)
- Prostatakarzinom: kastrationssensibles Prostatakarzinom
- Prostatakarzinom: kastrationsresistentes Prostatakarzinom, Prävention
Organbegrenztes Prostatakarzinom:
Niedriges klinisches Risiko:
Die Prostatakarzinom-spezifische Mortalität ist innerhalb von 20 Jahren gering. In randomisierten Studien zeigten sich zwischen Observation und radikaler Prostatektomie nach 10 Jahren keine signifikanten Unterschiede (Wilt u.a., 2012). Nach 20 Jahren zeigte die PIVOT-Studie 5% Überlebensvorteil für Patienten nach radikaler Prostatektomie vs. Observation, zudem wurde die Notwendigkeit einer Androgendeprivationstherapie reduziert (22% vs. 44%) (Wilt u.a., 2017).
Lebenserwartung über 15 Jahre:
Die aktive Überwachung ist die bevorzugte Therapieoption. Bei Progression in ein ungünstigeres Risikoprofil oder auf Patientenwunsch kommen radikale Prostatektomie oder kurative Strahlentherapie in Frage.
Lebenserwartung unter 15 Jahre:
Die aktive Überwachung ist die Therapie der Wahl, bei Progress der Erkrankung entweder kurative Bestrahlung oder operative Therapie. Bei begrenzter Lebenserwartung, relevanter Komorbidität oder Patientenpräferenz ist Watchful Waiting angemessen; eine Androgendeprivationstherapie wird erst bei symptomatischer Progression oder Metastasierung begonnen.
Mittleres und hohes klinisches Risiko:
Es besteht ein relevantes Risiko, innerhalb von 10~Jahren eine Progression mit Metastasen zu erleiden oder innerhalb von 15~Jahren am Prostatakarzinom zu versterben. Bei einer Lebenserwartung von mindestens 10 Jahren soll eine kurativ intendierte Therapie angeboten werden; bei günstigem intermediärem Risiko kann nach ausführlicher Aufklärung auch aktive Überwachung diskutiert werden.
Lebenserwartung über 10 Jahre:
Radikale Prostatektomie, bei R1-Resektion ggf. adjuvante Strahlentherapie, bei N1 ggf. adjuvante Androgendeprivationstherapie. Alternativ kurative Strahlentherapie mit adjuvanter Androgendeprivationstherapie. Prospektiv randomisierte Studien sind nicht verfügbar, retrospektive Daten zeigen widersprüchliche Ergebnisse.
Lebenserwartung unter 10 Jahre:
Die kurative Strahlentherapie mit adjuvanter Androgendeprivationstherapie ist die Methode der Wahl, bei subvesikaler Obstruktion sollte die radikale Prostatektomie vorgezogen werden.
Lebenserwartung unter 5 Jahre:
Auf eine kurative Therapie sollte verzichtet werden, regelmäßige klinische Kontrollen genügen. TURP bei subvesikaler Obstruktion. Antiandrogene Therapie bei symptomatischer lokaler Progression oder Metastasen.
Metastasiertes Prostatakarzinom:
Antiandrogene Kombinationstherapie Antiandrogene Kombinationstherapie mit Androgendeprivation und modernen Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor, siehe Abb. Androgendeprivationstherapie. Bei weiteren Progress sind zahlreiche Therapieoptionen vorhanden. Ansonsten steht die Palliation von Beschwerden im Vordergrund der Bemühungen (u.a. Schmerztherapie, Biphosphonate, Bestrahlung und Bluttransfusionen). Bei oligometastasierten Patienten mit hoher Lebenserwartung kann eine lokale Therapie (perkutane Strahlentherapie oder radikale Prostatektomie) und Bestrahlung der Metastasen zusätzlich zur ADT erwogen werden. Bei primär metastasierten Prostatakarzinom mit hoher Tumorlast kann nach Beginn der ADT zusätzlich sechs Zyklen Docetaxel verabreicht werden.
Therapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms
Aktive Überwachung (active surveillance) beim Prostatakarzinom
Indikation zur aktiven Überwachung:
Die aktive Überwachung kommt in Frage, wenn ein klinisch nicht signifikantes oder niedrig-riskantes Prostatakarzinom vorliegt und eine nebenwirkungsreiche kurative Therapie vermieden oder aufgeschoben werden soll. Bei Re-Klassifikation in ein ungünstigeres Risikoprofil wird eine lokale Therapie wie die radikale Prostatektomie oder die Strahlentherapie eingeleitet. Für klinisch signifikante und therapiepflichtige Tumoren wurden mehrere Risikostratifizierungen und Überwachungsprotokolle publiziert. Die klinischen Kontrollen beinhalten DRU, PSA-Bestimmungen, mpMRT der Prostata und Prostatastanzbiopsien. Die folgende Empfehlung orientiert sich an der S3-Leitlinie:
Einschlusskriterien für eine aktive Überwachung:
Eine qualitativ gute Stanzbiopsie ist Voraussetzung für die Beurteilung des Tumorstadiums. Idealerweise wird vor der Stanzbiopsie ein mpMRT der Prostata veranlasst und verdächtige Areale werden zusätzlich gezielt biopsiert. Es sollten mindestens 8 Stanzzylinder vorliegen, bei einem Prostatavolumen über 40 ml 10 bis 12 Stanzzylinder. Folgende Kriterien sollten erfüllt sein:
- klinisches Stadium cT1 oder cT2a
- PSA < 10 ng/ml
- Prostatastanzbiopsie mit maximal 2 tumortragenden Stanzzylindern, ≤50% Karzinomanteil in den Stanzzylindern und Gleason-Summe <7
- Bei günstigem intermediärem Risiko mit Gleason-Muster 4 unter 10%, ohne kribriformes oder intraduktales Wachstum, kann aktive Überwachung individuell angeboten werden.
Folgeuntersuchungen:
Halbjährliche Tastuntersuchung der Prostata. Zunächst vierteljährliche, nach zwei Jahren dann halbjährliche Kontrollen der PSA-Konzentration. Bei tastbarem Tumor oder signifikantem PSA-Anstieg (Verdoppelungszeit unter drei Jahren) wird ein erneutes mpMRT und eine Biopsie veranlasst. Auch ohne PSA-Progress soll in den ersten drei Jahren sollten alle 12–18 Monate ein erneutes mpMRT der Prostata mit systematischer und gezielter Stanzbiopsie durchgeführt werden. Nach drei Jahren stabiler Verlauf genügen erneute Biopsien mit mpMRT alle drei Jahre.
Abbruchkriterien:
Wenn die Einschlusskriterien (s.o.) nicht mehr vorliegen oder die PSA-Verdoppelungszeit unter 3 Jahre liegt, soll zu einer aktiven Therapie geraten werden. Wenn die Lebenserwartung zum Zeitpunkt des Abbruchs unter 10 Jahren liegt, kann weiter abgewartet und bei Symptomen oder schnellem Progress eine Androgendeprivationstherapie begonnen werden.
Ergebnisse der aktiven Überwachung:
In einer Serie von knapp 1000 Patienten erfüllten nach 5, 10 und 15 Jahren Nachbeobachtung 76%, 64% und 55% der Patienten die Kriterien der aktiven Überwachung und wurden nicht therapiert. 1,5% der Patienten starben am Prostatakarzinom und 2,8% entwickelten Knochenmetastasen (Klotz u.a., 2015). Diese Ergebnisse sind vergleichbar mit den Daten nach primärer Therapie bei Niedrigrisikopatienten. In der randomisierten ProtecT-Studie (aktive Überwachung vs. sofortige kurative Therapie) zeigten sich nach 15 Jahren geringe Unterschiede (9% vs. 5%) bei der insgesamt geringen Metastasierungsrate. Die Prostatakarzinom-spezifische Mortalität war in allen Therapiearmen niedrig, 25% der Männer in der aktiven Beobachtung wurden nicht therapiert (Hamdy u.a., 2023).
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English Version: Prostate carcinoma: treatment options and active surveillance
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