Sie sind hier: Startseite > Prostata > Prostatakarzinom > Pathologie
Prostatakarzinom: Pathologie, Biopsie, Gleason-Score
- Prostatakarzinom: Definition, Epidemiologie und Ursachen
- Prostatakarzinom: Pathologie
- Prostatakarzinom: Klinik, Vorsorgeuntersuchung, PSA
- Prostatakarzinom: Diagnose, Bildgebung, Staging
- Prostatakarzinom: Therapieübersicht, aktive Überwachung
- Prostatakarzinom: Operation
- Prostatakarzinom: Therapie (Strahlentherapie)
- Prostatakarzinom: Therapie (Brachytherapie, Kryotherapie, HIFU)
- Prostatakarzinom: kastrationssensibles Prostatakarzinom
- Prostatakarzinom: kastrationsresistentes Prostatakarzinom, Prävention
Pathologie des Prostatakarzinoms
Tumorstadien nach TNM [UICC 2025]
T1:
Nicht tastbarer Tumor.
- T1a: Prostatakarzinom in weniger als 5 % der Resektionsspäne nach TURP.
- T1b: Prostatakarzinom in mehr als 5 % der Resektionsspäne nach TURP.
- T1c: Prostatakarzinom in Stanzbiopsie bei nicht tastbarem Tumor.
T2:
Tastbarer (auf die Prostata beschränkter) Tumor.
- T2a: Befall von weniger als 50 % eines Seitenlappens.
- T2b: Befall von mehr als 50 % eines Seitenlappens.
- T2c: Tumor in beiden Seitenlappen.
T3:
Tumor mit extraprostatischer Ausbreitung.
- T3a: Durchbruch des Tumors durch die Prostatakapsel oder mikroskopische Infiltration des Harnblasenhalses.
- T3b: Samenblaseninfiltration.
T4:
Infiltration von Nachbarorganen: Harnblase, Rektum, Schließmuskel oder Beckenwand.
N:
Lymphknotenbefall.
- N0: kein Lymphknotenbefall.
- N1: regionärer Lymphknotenbefall.
M:
Vorliegen von Metastasen.
- M0: keine Fernmetastasen.
- M1a: Nachweis von extraregionären Lymphknotenmetastasen.
- M1b: Knochenmetastasen.
- M1c: weitere Fernmetastasen.
G:
Die Graduierung des Gleason-Scores wurde 2014 eingeführt, siehe Tab. Grading Prostatakarzinom.
Tumorstadiengruppierung nach UICC
- Stadium I: T1 und T2a N0 M0
- Stadium II: T2b--T2c N0 M0
- Stadium III: T3 N0 M0
- Stadium IV: T4 N0 M0 oder Tx N1 oder Tx M1
Adenokarzinom der Prostata
Histologische Kriterien:
Zur Diagnose des Adenokarzinoms der Prostata sind Architekturstörungen des Prostatagewebes, Kernatypien und der Ausschluss benigner Mimiker erforderlich. Sind nur zwei der drei diagnostischen Kriterien vorhanden, wird die Diagnose atypische Drüsen oder atypische mikroglanduläre Proliferation (atypical small acinar proliferation, ASAP) gestellt. Im Zweifel helfen immunhistochemische Untersuchungen, z.B. mit p63, Zytokeratin, AMACR, PSA, NKX3.1, Androgenrezeptor, Chromogranin, Synaptophysin, S100 und Aktin.
Prostatische intraepitheliale Neoplasie (PIN):
Die Prostatische intraepitheliale Neoplasie (PIN) besteht aus normal gebauten Prostatadrüsen mit dysplastischen Zellen. Je nach Dysplasie wird zwischen "low-grade" und "high-grade" PIN unterschieden. High-grade PIN gilt als mögliche Vorläuferläsion und als Risikomarker, in derselben Prostata ein Prostatakarzinom nachzuweisen.
Wachstumsmuster des Adenokarzinoms:
Die Hauptmasse (85 %) des lokal begrenzten Adenokarzinoms wächst multifokal in der peripheren Prostatazone. Der Rest der Tumoren wächst in der Übergangszone. Tumorwachstum in der zentralen Zone ist eine Rarität. Extraprostatisches Wachstum entsteht häufig apikal oder posterolateral entlang der neurovaskulären Bündel, wo keine scharf definierte Prostatakapsel besteht. Seltener infiltriert das Prostatakarzinom Samenblasen oder Rektum. Das Tumorvolumen korreliert mit dem Erkrankungsausmaß: Extraprostatisches Wachstum ist bei einem Tumorvolumen unter 0,5 cm3 selten; Lymphknotenmetastasen oder Samenblaseninfiltration sind bei Tumoren unter 4 cm3 selten.
Gleason-Graduierung:
Die Gleason-Graduierung basiert auf der Beurteilung der Drüsenmorphologie bei relativ geringer Vergrößerung. Die zytologischen Eigenschaften der Zellen (Kerngröße und -form) werden nicht beurteilt. Den vorhandenen Drüsenarchitekturen werden Gleason-Grade (engl. Gleason pattern) von 1–5 zugeordnet [Tab. Aktuelle Gleason-Graduierung nach ISUP 2004].
Gleason-Summe in der Stanzbiopsie:
Der vorherrschende und der am schlechtesten differenzierte Gleason-Grad werden zu zur Gleason-Summe (engl. Gleason score) zusammengefasst. Diese kann theoretisch 2 (1+1) bis 10 (5+5) betragen. Die Gleason-Summe korreliert mit der Prognose des Tumors. Wenn nur ein sehr kleines Karzinomfragment vorliegt, kann nur ein Gleason-Grad angegeben werden.
Gleason-Summe im Prostatektomiepräparats:
Der vorherrschende und der zweithäufigste Gleason-Grad werden zu einer Gleason-Summe zusammengefasst. Falls im Präparat noch geringe Anteile schlechter differenzierter Gleason-Grade vorhanden sind, so wird der höchste Gleason-Grad mit der Angabe eines Tertiärmusters gewürdigt (Beispiel: Gleason-Summe 3+3, Tertiärmuster 5).
Graduierung des Gleason-Score:
Die Graduierung des Prostatakarzinoms wurde 2014 von der ISUP eingeführt, um den Gleasonscore mit dem Grading anderer Tumoren vergleichen zu können. Klinisch bedeutsam ist insbesondere die Unterscheidung zwischen Gleason-Score 3+4 und 4+3. [Tab. Grading Prostatakarzinom]:
| Gleason-Score | Graduierung |
| 2–6 | 1 |
| 7 (3+4) | 2 |
| 7 (4+3) | 3 |
| 8 | 4 |
| 9–10 | 5 |
Weitere pathologische Subtypen des Prostatakarzinoms
Kleinzelliges Prostatakarzinom:
Seltenes, hochaggressives neuroendokrines Karzinom der Prostata mit biologischen Parallelen zum kleinzelligen Bronchialkarzinom. Typisch sind geringe PSA-Expression trotz hoher Tumorlast, neuroendokrine Markerexpression, frühe Metastasierung und schlechte Prognose.
Muzinöses Adenokarzinom:
Seltene schleimbildende Variante des Adenokarzinoms mit großen Ansammlungen extrazellulären Muzins und ähnlicher Prognose.
Duktales Prostatakarzinom:
Selten, geht von dem Prostataduktepithel aus. Häufiger ist eine kombinierte duktale und azinäre Differenzierung. Bei exophytischem Wachstum in die Harnröhre entstehen Hämaturie oder obstruktive Miktionsbeschwerden. Bei peripherem Wachstum wird die Diagnose oft zu spät gestellt, da kein deutlicher PSA-Anstieg entsteht. Das duktale Prostatakarzinom hat eine ungünstigere Prognose als ein azinäres Prostatakarzinom.
Urothelkarzinom der Prostata:
Primäre Urothelkarzinome der Prostata sind selten und müssen vom Befall der prostatischen Harnröhre bei Urothelkarzinom der Harnblase abgegrenzt werden. Das nicht-invasive Urothelkarzinom kann organerhaltend therapiert werden, eine Stromainvasion ist prognostisch ungünstig und erfordert eine Zystoprostatektomie, oft mit Urethrektomie.
Plattenepithelkarzinom der Prostata:
Seltenes Karzinom der Prostata mit reiner squamöser oder häufiger gemischter adenosquamöser Differenzierung. Die Prognose ist schlecht; typisch sind osteolytische Knochenmetastasen, normale oder nur gering erhöhte PSA-Konzentration und fehlendes Ansprechen auf Androgendeprivation. Differentialdiagnostisch ist ein sekundärer Befall aus Harnblase, Urethra oder Rektum auszuschließen. Unter Androgendeprivationstherapie kann selten eine plattenepitheliale Transformation eines Adenokarzinoms auftreten.
Rhabdomyosarkom der Prostata:
Maligner mesenchymaler Tumor, v. a. bei Kindern [S. Kapitel Prostatasarkom].
Leiomyosarkom der Prostata:
Maligner mesenchymaler Tumor, v. a. bei Erwachsenen [S. Kapitel Prostatasarkom].
Pathologische Beurteilung der Prostatastanzbiopsie
Zur technischen Durchführung siehe Abschnitt Operationstechniken/Prostatabiopsie. Die Stanzzylinder werden aus definierten Abschnitten der Prostata entnommen und getrennt eingesandt.
Prognosevorhersage:
Zeichen einer ungünstigen Prognose in der Stanzbiopsie sind:
- hohe Gleason-Summe (8–10) oder Gleason-Typ (4–5)
- hoher Anteil tumorbefallener Prostatastanzen, hoher Tumoranteil pro Prostatastanze oder im gesamten Stanzpräparat
- perineurale Invasion
Genauigkeit der Prognosevorhersage:
Ungünstige Prognosezeichen in der Stanzbiopsie sind i. d. R. auch im OP-Präparat nachweisbar. Klinisch relevant ist das Unterschätzen der Tumorerkrankung: Ein Teil der Patienten mit Gleason-Summe 6 in der Stanzbiopsie zeigt im Prostatektomiepräparat ein höheres Grading oder ein höheres Stadium. Die kombinierte Betrachtung von Stanzbiopsie, PSA-Wert, digital-rektaler Untersuchung und MRT verbessert die Vorhersagegenauigkeit.
Atypische Drüsen:
Ein Problem der pathologischen Beurteilung sind atypische Prostatadrüsen, die nicht eindeutig maligne erscheinen (atypical small acinar proliferation). Die Wahrscheinlichkeit eines Prostatakarzinoms in der Folgediagnostik ist erhöht; eine erneute gezielte und systematische Biopsie sollte abhängig von PSA-Verlauf, MRT-Befund und Vorbiopsie erwogen werden.
Beurteilung des Organpräparates nach Prostatektomie
Die Resektionsränder des Organpräparates nach radikaler Prostatektomie werden mit Tusche markiert. Anschließend wird die Prostata lamelliert (in transversale Scheiben geschnitten) und eingebettet.
Prognosefaktoren am pathologischen Präparat:
Voneinander unabhängige Prognosefaktoren nach radikaler Prostatektomie sind ISUP-Gradgruppe, pT-Stadium, Samenblaseninfiltration, Lymphknotenstatus und Resektionsrandstatus. Moderne postoperative Nomogramme und Scores, z.B. das MSKCC-Nomogramm oder der CAPRA-S-Score, kombinieren diese Parameter mit dem PSA-Wert und erlauben eine gute Abschätzung des biochemischen Rezidivrisikos nach operativer Therapie.
Der Gleason-Score ist für die Prognose von größerer Bedeutung als der Resektionsstatus alleine. Nicht jeder Patient mit R1-Resektion entwickelt ein biochemisches Rezidiv. Dies kann durch minimale, tangential angeschnittene oder artifizielle positive Ränder sowie durch die Tumorbiologie erklärt werden.
Metastasierungsmuster des Prostatakarzinoms
Das Prostatakarzinom metastasiert bevorzugt in Lymphknoten und Knochen; weitere Metastasierungsorte sind Lunge, Leber, Harnblase, Nebenniere und selten Hoden.
| Prostatakarzinom: Inzidenz und Ursachen | Suchen | Symptome und Früherkennung des Prostatakarzinoms |
Sachregistersuche: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Literatur
EAU Guidelines EAU - EANM - ESTRO - ESUR - SIOG Guidelines on Prostate Cancer, https://uroweb.org/guidelines/prostate-cancer/.
Epstein u.a. 1993 EPSTEIN, J. I. ; PIZOV, G. ;
WALSH, P. C.:
Correlation of pathologic findings with progression after radical
retropubic prostatectomy.
In: Cancer
71 (1993), Nr. 11, S. 3582–93
Epstein, J. I.; Allsbrook, W. C.; Amin, M. B.; Egevad,
L. L. & Committee, I. S. U. P. G.
The 2005 International Society of
Urological Pathology (ISUP) Consensus Conference on Gleason Grading of
Prostatic Carcinoma.
Am J Surg Pathol, 2005, 29,
1228-1242.
Epstein, J. I.; Egevad, L.; Amin, M. B.; Delahunt, B.;
Srigley, J. R.; Humphrey, P. A. & , G. C.
The 2014 International
Society of Urological Pathology (ISUP) Consensus Conference on Gleason
Grading of Prostatic Carcinoma: Definition of Grading Patterns and
Proposal for a New Grading System.
Am J Surg Pathol, 2016,
40, 244-252
Helpap, B.; Hartmann, A. & Wernert, N.
Anleitung zur pathologisch-anatomischen Diagnostik von Prostatatumoren des
Bundesverbandes Deutscher Pathologen e. V. und der Deutschen Gesellschaft
für Pathologie e. V.
2011.
Leitlinienprogramm Onkologie (DGU, Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/
Wein, A. J.; Kavoussi, L. R.; Partin, A. P. & Peters, C. A.
Campbell-Walsh Urology
. Elsevier, 2015. ISBN 978-1455775675.
English Version: Prostate carcinoma pathology and TNM tumor stages
Urologielehrbuch.de ohne Werbung
Diese Internetseite ermöglicht mit Hilfe von Werbung den Volltext-Zugriff auf das aktuelle Urologielehrbuch.de. Viele Bilder sind zum Schutz von Laien verpixelt oder ausgeblendet. Regelmäßig wiederkehrende (fachkundige) Leser können die Werbebanner abschalten und Zugriff auf alle Abbildungen erhalten: Werden Sie Mitglied über die Crowdfunding-Plattform Steady und unterstützen Sie damit Urologielehrbuch.de.
Urologielehrbuch.de als Hardcover-Buch
Aktuell, detailliert und übersichtlich: Urologielehrbuch.de wird auch als hochwertiges Hardcover-Buch veröffentlicht. Die 17. Auflage (Ausgabe 2024) ist seit Oktober 2024 verfügbar, siehe Abschnitt Neuigkeiten für die Aktualisierungen und Links für den Buchkauf.