Dr. med. Dirk Manski

 Sie sind hier: Startseite > Harnleiter > Krankheiten > Ureterozele

Diese Webseite durchsuchen:

Ureterozele

Zusammenfassende Literatur Ureterozele: (Shokeir und Nijman, 2002).

Definition der Ureterozele

Zystische Dilatation des distalen, intravesikalen Ureters [Abb. Schemazeichnung Ureterozele und Zystoskopie Ureterozele]. In 80 % drainiert die Ureterozele den oberen Anteil eines Doppelsystems. Der Defekt der Harnblasenwand durch die Ureterozele kann einen vesikoureteralen Reflux in den unteren Anteil des Doppelsystems bedingen.


Querschnitt durch eine Ureterozele: zystische Dilatation des distalen intravesikalen Ureters.
Abbildung Schemazeichnung Ureterozele


Ureterozele in der Zystoskopie: Vorwölbung der Schleimhaut mit stenotischem Ostium.
Abbildung Ureterozele Zystoskopie

Folgende Einteilungen existieren:

Nach Ericsson:

unterscheidet die intravesikale von der ektopen Ureterozele.

Intravesikale (einfache) Ureterozele:

alle Anteile liegen in der Harnblase.

Ektope Ureterozele:

Anteile der Ureterozele ziehen zum Harnblasenhals und Sphinkter internus.

Nach Stephens:

Stenotische Ureterozele:

enges Ostium innerhalb der Harnblase.

Sphinkterische Ureterozele:

Ostium liegt distal des Harnblasenhalses.

Sphinkterostenotische Ureterozele:

enges Ostium distal des Harnblasenhalses.

Caecoureterocele:

intravesikales Ostium, ein submuköser Tunnel der Ureterozele zieht bis in die Urethra und wirkt obstruktiv.

Epidemiologie der Ureterozele

Häufiger beim weiblichen Geschlecht (4:1).

Ätiologie der Ureterozele

Verschiedene Theorien existieren, keine Theorie kann alle Formen der Ureterozelen erklären:

Chwalla’sche Membran:

Die Chwalla’sche Membran trennt den Sinus urogenitalis von der Ureterknospe. Aufgrund des stenotischen Ostiums bei Ureterozelen wird eine verzögerte und unvollständige Auflösung der Chwalla’schen Membran postuliert, welche auch zur zystischen Dilatation des intravesikalen Ureters führt. Andere Theorien postulieren einen Defekt in der Ureterwand.

Gestörte Fusion des Wolff-Gangs mit dem Sinus urogenitalis:

Die Theorie bringt die Ureterozele mit der Ureterektopie in Einklang, je lateraler die Ureterknospe, desto später und gestörter die Fusion in den Sinus urogenitalis. In 80 % drainiert die Ureterozele den oberen Anteil eines Doppelsystems. Der Defekt der Harnblasenwand durch die Ureterozele bedingt den Reflux in den unteren Anteil des Doppelsystems.

Erworbene Ureterozelen:

ausgehend von einer Ostiumstenose (Entzündung, Harnleiterstein, Trauma) entsteht eine zystische Dilatation des distalen intramuralen Ureters.

Klinik der Ureterozele

Harnwegsinfekt, Urosepsis, Nephrolithiasis, Ureterozelenstein, abdomineller Tumor bei Kindern, Prolaps aus Urethra, Harnverhalt, Hämaturie, Inkontinenz, Gedeihstörung bei Kindern.

Diagnostik der Ureterozele

Sonographie:

Die Sonographie zeigt eine dünnwandige Zyste in der Harnblase, dies kann bei mittlerer Harnblasenfüllung am besten nachgewiesen werden. Ein Harnstau der Gegenseite ist durch die Ureterozele möglich. Ein Doppelsystem der Niere mit hydronephrotischem oberen Anteil ist evtl. nachweisbar.

Urogramm:

Im Urogramm oft fehlende Darstellung des oberen Nierenanteils aufgrund der schlechten Funktion, in Spätbildern kann sich jedoch der obere Anteil kontrastieren. Hinweise auf einen nicht kontrastierenden oberen Anteil erhält man aus der geringeren Anzahl an dargestellten Kelchen und dem größeren Abstand der Nierenanlage von der Wirbelsäule. Der Unterpolharnleiter verläuft geschlängelt, in der Harnblase kann manchmal die Ureterozele abgegrenzt werden [Abb. Ureterozele als Kontrastmittelaussparung im Urogramm]. Das aufgetriebene Ende einer intravesikalen orthotopen Ureterozele wird auch das Kobrakopfzeichen genannt [Abb. Kobrakopfzeichen im Urogramm und Ureterozele im Urogramm]


Rechtsseitige Ureterozele als Kontrastmittelaussparung: Urogramm (linkes Röntgenbild): durch die rechtsseitige Ureterozele entsteht eine Kontrastmittelaussparung in der Harnblase, die zugehörige obere Kelchgruppe ist nicht kontrastiert. Retrograde Pyelographie nach Ureterozelenschlitzung (rechtes Röntgenbild): Darstellung der oberen Kelchgruppe.
Abbildung Ureterozele im Urogramm und in der retrograden Pyelographie


Beidseitiges Kobrakopfzeichen: erweiterte Mündung beider Harnleiter im Urogramm (Detailaufnahme der Harnblase) als Zeichen für intravesikale orthotope Ureterozelen ohne Harnstau. Mit freundlicher Genehmigung, Prof. Dr. R. Harzmann, Augsburg.
Abbildung beidseitiges Kobrakopfzeichen


Ureterozele in der Urographie (Detailaufnahme der Harnblase). Mit freundlicher Genehmigung, Prof. Dr. R. Harzmann, Augsburg.
Abbildung Ureterozele im Ausscheidungsurogramm

Miktionszysturethrographie:

MCU: Darstellung der Größe und Lokalisation der Ureterozele als Füllungsdefekt. In der frühen Füllung am besten darstellbar, bei voller Harnblase kollabiert die Ureterozele und kann in den eigenen Harnleiter prolabieren. Dies stellt sich dann wie ein Harnblasendivertikel dar. Reflux in den unteren Nierenanteil bei Doppelsystem in 50 %.

Zystoskopie:

Zystoskopie und retrograde Pyelographie [Abb. Ureterozele als Kontrastmittelaussparung im Urogramm].

Nierenfunktionsszintigraphie:

zur Bestimmung der Funktion des Nierenanteils mit der Ureterozele.

Therapie der Ureterozele

Eine Ureterozele ohne Beschwerden benötigt keine Therapie. Ziel ist es, die Ureterozele mit begleitenden Problemen (Reflux, funktionslose Nierenanteile, Infektanfälligkeit) in möglichst einer operativen Sitzung zu sanieren.

Transurethrale Inzision der Ureterozele:

Die transurethrale Inzision der Ureterozele ist eine Therapieoption mit geringer Morbidität. Die Ureterozeleninzision ist häufig kurativ bei obstruktiver intravesikaler Ureterozele bei Einzelsystem oder bei Doppelsystem ohne starken Reflux in den unteren Anteil. Obwohl bei extravesikalen Ureterozelen die Heilungschancen geringer sind, wird häufig die Ureterozeleninzision als erster Therapieversuch durchgeführt. Bei erneuter Obstruktion oder starkem postoperativen Reflux ist die zweizeitige Ureteropyelostomie oder Harnleiterreimplantation notwendig.


Transurethrale Ureterozelenschlitzung mit anschließender Harnleitersteinbergung bei multiplen Ureterozelensteinen.
Abbildung transurethrale Ureterozelenschlitzung und Uretersteinbergung

Ureteropyelostomie:

Die Ureteropyelostomie ist indiziert bei obstruktiver Ureterozele (Rezidiv nach transurethraler Inzision) mit erhaltenswertem Doppelsystem und ohne schwerwiegenden Reflux in den unteren Anteil. Der obere Harnleiter wird auf das untere Nierenbecken anastomosiert (End-zu-Seit). Die Operation ist per Flankenschnitt oder laparoskopisch möglich. Die Ureterozele sollte sich spontan dekomprimieren und damit den Reflux in den unteren Anteil verringern. Bei persistierendem schwergradigem Reflux ist zweizeitig eine Ureterozelenresektion und Ureterozystoneostomie des Unterpolharnleiters notwendig.

Gleichzeitige Korrektur am oberen und unteren Harntrakt:

Möglicherweise notwendig bei Ureterozele mit Doppelsystem und ausgeprägtem Reflux (ab Grad III) mit Hydronephrose des unteren oder kontralateralen Nierenanteils oder komplizierter extravesikaler Ureterozele. Am oberen Harntrakt Heminephrektomie oder Ureteropyelostomie per Flankenschnitt, am unteren Harntrakt wird durch einen getrennten Zugang zur Harnblase die Exzision der Ureterozele und anschließend die Reimplantation des Unterpolharnleiters durchgeführt. .

Heminephrektomie und partielle Ureterektomie:

Die Heminephrektomie und partielle Ureterektomie ist indiziert bei Ureterozele und Doppelsystem mit geringer Funktion des oberen Anteils und ohne schwerwiegenden Reflux in den unteren Anteil. Die Operation ist per Flankenschnitt oder laparoskopisch möglich. Die Ureterozele sollte sich spontan dekomprimieren und damit den Reflux in den unteren Anteil verringern. Bei persistierendem schwergradigem Reflux ist zweizeitig ein weiterer Eingriff notwendig: Ureterozelenresektion und Ureterozystoneostomie des Unterpolharnleiters.







 Sachregistersuche: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z


Literaturverzeichnis

Shokeir und Nijman 2002 SHOKEIR, A. A. ; NIJMAN, R. J.:
Ureterocele: an ongoing challenge in infancy and childhood.
In: BJU Int
90 (2002), Nr. 8, S. 777–83