Dr. med. Dirk Manski

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Harninkontinenz oder Urin-Inkontinenz

Zusammenfassende Literatur Harninkontinenz: (Liedl u.a., 2005) (Viktrup u.a., 2004).

Definitionen und Einteilung der Harninkontinenz

Die Internationale Continence Society (ICS) definiert Harninkontinenz "als ein Symptom des unfreiwilligen Urinverlusts jeglichen Ausmaßes".

Belastungsharninkontinenz:

Bei der Belastungsharninkontinenz übersteigt der Harnblasendruck bei passiver (=abdomineller) Druckerhöhung den Harnröhrenverschlussdruck, es resultiert eine Harninkontinenz. Führendes Symptom der Belastungsharninkontinenz ist der unfreiwillige Urinverlust bei körperlicher Anstrengung, Nießen oder Husten.

Dranginkontinenz:

Die Dranginkontinenz ist definiert durch unfreiwilliger Harnabgang (Harninkontinenz) aufgrund aktiver Harnblasendruckerhöhung (=ungehemmter Detrusorkontraktion). Bei Nachweis eines neurologischen Korrelats für die autonomen Detrusorkontraktionen spricht man von Detrusorhyperreflexie. Führendes Symptom der Dranginkontinenz ist der unfreiwillige Urinverlust zusammen mit Harndrang.

Eine Sonderform der Drangharninkontinenz ist die sogenannte Giggle-Harninkontinenz (Enuresis risoria): Lachen triggert eine Harnblasenentleerung, diese Form tritt vor allem bei Kindern auf.

Mischharninkontinenz:

Die Mischharninkontinenz ist die Kombination von Belastungs-Harninkontinenz und Dranginkontinenz.

Chronische Harnretention mit Harninkontinenz:

Bei der chronischen Harnretention mit Harninkontinenz steigt der Blasendruck über den Harnröhrenverschlussdruck durch einen (v.a. chronischen) Harnverhalt, die volle überdehnte Harnblase verliert Urin ohne Detrusorkontraktionen (früher als Überlaufharninkontinenz bezeichnet).

Extraurethrale Harninkontinenz:

Extraurethrale Harninkontinenz ist Harnabgang über Kanäle außerhalb der Harnröhre (Fisteln, Fehlbildungen wie ektoper Harnleiter).

Enuresis:

Enuresis ist die nächtliche kindliche Harninkontinenz: unwillkürliche Harnblasenentleerung an mindestens 2 Nächten pro Monat nach dem 5. Lebensjahr. Als primäre Form mit kontinuierlichem Einnässen seit Geburt, die sekundäre Form ist durch eine mindestens 6 Monate lange Phase ohne Einnässen charakterisiert.

Epidemiologie der Harninkontinenz

Prävalenz für die Harninkontinenz:

Die Prävalenz beträgt 4,5 % bis 53 % für Frauen, 1,6 % bis 24 % für Männer, in Abhängigkeit vom Lebensalter und Komorbidität [Tab. Prävalenz der Harninkontinenz].

Die Häufigkeit der neurogenen Harnblasenstörung steigt mit zunehmenden Lebensalter bei Frauen von 2 % auf 19 % mit einem steilen Anstieg ab 44 Lebensjahren, bei Männern von 0,3 % auf 9 % mit einem steilen Anstieg ab 64 Lebensjahren.

Prävalenz der Harninkontinenz.
Alter Frauen Männer
15–44 Jahre 5–7% 3%
45–64 Jahre 8–15% 3%
>65 Jahre 10–20% 7–10%

Diagnostischer Gang bei Harninkontinenz

Anamnese bei Harninkontinenz:

Für die Anamnese wichtig sind Ausmaß der Harninkontinenz, Leidensdruck, Voroperationen, vaginale Entbindungen, Medikamente (Alpha-Blocker, Clonidin), neurologische und urologische Erkrankungen.

Quantifizierung der Belastungsinkontinenz:

Erhebung der Trinkmengen, Miktionsvolumina und Inkontinenzepisoden durch ein Miktionstagebuch. Ausreichend ist meist ein Zeitraum über 24–48 h.

Laboruntersuchungen:

Urin:

Urinsediment und Urinkultur durch Katheterurin.

Serum:

Bestimmung von Kreatinin zur Einschätzung der Nierenfunktion.

Körperliche Untersuchung:

Neben einer orientierenden neurologischen Untersuchung wird eine vaginale und rektale Untersuchung in Steinschnittlage durchgeführt.

Wichtige pathologische Befunde sind: Zysto- oder Rektozele, Quantifizierung des Organdeszensus nach ICS, verminderter Analsphinktertonus, fehlender Analreflex, Klitoris- oder Bulbokavernosusreflex, Nachweis der Inkontinenz unter Pressen, Husten oder Hackenaufpralltest.

Bildgebung bei Harninkontinenz:

Sonographie:

Abdominelle Sonographie: Restharn? Harnstau? Dicke des Nierenparenchyms? Harnblasenwanddicke?

Miktionszystogramm:

Das Miktionszysturethrogramm ist wichtig zur Differentialdiagnose verschiedener Harninkontinenzformen (extraurethrale Inkontinenz), Nachweis einer Zystozele, Nachweis der hypermobilen Urethra und/oder Öffnung des Harnblasenhalses unter Pressen.

Bei Frauen wird das MCU in seitlicher Projektion durchgeführt.

Urodynamik bei Harninkontinenz:

Die Urodynamik kann die Ursache(n) der Harninkontinenz am besten diagnostizieren (Belastungs-, Urge- oder extraurethrale Inkontinenz).

Zystoskopie:

Die Zystoskopie ist notwendig zur Differentialdiagnose von LUTS.








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Literatur Harninkontinenz

Liedl u.a. 2005 LIEDL, B. ; SCHORSCH, I. ; STIEF, C.:
[The development of concepts of female (in)continence. Pathophysiology, diagnostics and surgical therapy].
In: Urologe A
44 (2005), Nr. 7, S. W803–18; quiz W819–20

Viktrup u.a. 2004 VIKTRUP, L. ; SUMMERS, K. H. ; DENNETT, S. L.:
Clinical practice guidelines for the initial management of urinary incontinence in women: a European-focused review.
In: BJU Int
94 Suppl 1 (2004), S. 14–22







 



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