Die perkutane Nephrolithotomie wird variabel abgekürzt: PCN, PCNL oder PNL. Synonym: perkutane Nephrolitholapaxie.
Zusammenfassende Literatur: (Kim u.a., 2003) (Lahme u.a., 2001).
Nephrolithiasis: Nierenausgusssteine, Nierenbeckensteine über 2,5 cm Größe (auch kleinere Steine mit Mini-PNL), mit der ESWL therapierefraktäre Nierensteine, Nierenkelchsteine mit Kelchhalsstenose.
Harnwegsinfekte, Gerinnungsstörungen, funktionslose Niere (unter 20 % der Gesamtleistung).
Harnwegsinfekt ausgeschlossen oder therapiert, perioperative Antibiotikaprophylaxe, Spinal- oder Vollnarkose. Zunächst Steinschnittlage, retrograde Pyelographie und Einlage eines Ureterkatheters (mit Ballon zur Abdichtung des Harnleiters). Danach Bauchlagerung des Patienten mit leichter Flexion der Lendenwirbelsäule durch Bauchkissen.
Punktion des dorsalen unteren Kelches (je nach Steinlokalisation) und Einlage eines starren Drahtes. Über die dorsale Kelchgruppe kann das Nierenbecken einfach erreicht werden, in Bauchlage muß die Nadel um 20–30 Grad von der Senkrechten nach Lateral geneigt werden [Abb. 1.2].
Aufbougierung bis 12 CH, Einführung eines zweiten Sicherheitsdrahtes [Abb. 1.3].
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Abbildung 1.2: Punktion der Nierenbeckenkelchsystem bei der PCN: Schematische Darstellung der Winkel für die Punktion der dorsalen Kelchgruppe bei der PCN: die Nadel muß um 20–30 Grad nach lateral gekippt werden, um einem Zugang durch die dorsale Kelchgruppe in das Nierenbecken zu erreichen. Die Punktion einer lateralen Kelchgruppe in diesem Winkel ermöglicht nicht den Zugang in das Nierenbecken. |
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über einen starren Draht wird der Kanal durch ein Metallteleskopbougierset bis zur gewünschten Weite aufbougiert. Einlage eines Amplatz-Schaftes in das Hohlsystem [Abb. 1.4].
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Abbildung 1.4: Perkutane Nephrolithotomie: der Arbeitskanal wird über einen starren Draht mit einem Metallteleskopbougierset bis zur gewünschten Weite aufbougiert. |
falls eine Steinextraktion in toto geplant ist, wird die Bougierung der Nephrostomie bis zum gewünschten Durchmessers des Amplatz-Schaftes (z. B. 30 CH) durchgeführt. Das Nephroskop wird über den Amplatz-Schaft eingeführt, der Stein mit der Steinfasszange gegriffen und komplett extrahiert. Falls der Stein für eine komplette Extraktion zu groß ist, sollte eine Steindesintegration durchgeführt werden.
bei großen Steinen gelingt die Steinfragmentierung über eine Ultraschallithotripsie, dies ermöglicht zeitgleich die Absaugung des Steinmaterials.
Alternativen zur Ultraschalllithotripsie sind ein pneumatischer Hammer (Lithoklast), die elektrohydraulische Lithotripsie (EHL) oder eine Lasersonde (Holmium). Alle Alternativen haben den Nachteil, das die Steinfragmente nach der Lithotripsie aus dem Nierenhohlsystem abgesaugt werden müssen.
die Weiterentwicklung der Nephroskope und Instrumente ermöglicht nun eine PNL mit Arbeitsschäften von 16–20 CH. Der Nierenstein wird mit Hilfe des pneumatischem Hammers oder der Laserlithotripsie fragmentiert. Aufgrund eines Sogeffekts der Niederdruckspülung um das Nephroskop gelingt eine zügige Steinfragmentbergung mit Hilfe des Spülstroms. Die geringe Traumatisierung der Niere führt zur Anwendung der Mini-PNL bei kleineren Steingrößen (z.B. ab 1 cm Größe eines Steins in der unteren Kelchgruppe) und erlaubt die Behandlung von komplexen Ausgusssteinen im Multitraktverfahren.
Die postoperative Anlage einer Nierenfistel sichert den Urinabfluss und stillt die Blutung aus dem Nephrostomie-Kanal. Je nach Bougierungsdurchmesser wird die Dicke der Nierenfistel ausgewählt (z. B. 20 CH bei 26 CH Bougierung).
frühzeitige Mobilisation. Intensive Atemtherapie. Thromboseprophylaxe. Laborkontrollen (Hb, Kreatinin).
Entfernung nach Sistierung der Blutung und Überprüfung des Urinabflusses in die Harnblase.
postoperative venöse Blutungen können durch ein passageres Abklemmen der Nierenfistel tamponiert werden. Arterielle Blutungen werden radiologisch embolisiert. Transfusionspflichtige Blutungen in 3 %. Sehr selten ist aufgrund von Blutungen die operative Revision und ggf. die Nephrektomie notwendig.
Pneumothorax v. a. bei Punktionen der oberen Kelchgruppe möglich. Nachbarorganverletzungen sind sehr selten (Ureter, Kolon, Duodenum, Leber, Milz).
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Dr. med. Dirk Manski
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