Dr. med. Dirk Manski

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Harnwegsinfektion in der Schwangerschaft

Zusammenfassende Literatur HWI Schwangerschaft: (Chaliha und Stanton, 2002) (S3-Leitline Harnwegsinfektionen der DGU), Leitlinie der EAU: (Bonkat u.a., 2017).

Epidemiologie der Harnwegsinfektionen in der Schwangerschaft

Die Häufigkeit der Bakteriurie beträgt in der Schwangerschaft um 4–7 %, vergleichbar mit der Rate an Bakteriurie ohne Schwangerschaft. Davon entwickeln ungefähr 20–30 % der Patientinnen eine akute Pyelonephritis, vor allem im dritten Trimenon.

Ätiologie

Klinik der Harnwegsinfektionen in der Schwangerschaft

Diagnostik

Urinkultur:

Bei Schwangeren wird der Mittelstrahlurin verwendet, keine Katheterisierung aus Sorge vor Auslösung einer iatrogenen Harnwegsinfektion. 105 Keime/ml (oder Kolonie-bildende Einheiten KBE/ml) in einem sauber gewonnenen Mittelstrahlurin zeigen einen HWI an (Kass, 2002). Erregerzahlen von 103 bis 104 Keime/ml können bei typischer Klinik und bei typischen Uropathogenen in Reinkultur (keine Mischkultur) bereits klinisch relevant sein. Ein Screening (Urinkultur) wird beim ersten gynäkologischen Besuch und in der 16. Woche empfohlen. Um eine unnötige Antibiotikabehandlung zu vermeiden, sollte eine asymptomatische Bakteriurie durch eine zweite Urinprobe bestätigt werden. Bei rezidivierenden Harnwegsinfekten oder vesikoureteralen Reflux in der Anamnese, evtl. zusätzliche Urinkulturen im weiteren Verlauf, auch ohne Beschwerden. Die Notwendigkeit von Urinkulturen ohne Beschwerden wird von anderen Autoren bezweifelt.

Sonographie:

Ausschluss einer Harnstauungsniere oder von Restharn. Ausschluss von geburtshilflichen Notfällen wie vorzeitige Wehen.

Labor:

Eine Pyelonephritis führt zu systemischen Entzündungszeichen (Leukozytose, CRP). Anlage von Blutkulturen bei Fieber.

Therapie der Harnwegsinfektion in der Schwangerschaft

Asymptomatische Bakteriurie:

jede asymptomatische Bakteriurie muss behandelt werden. Dadurch kann die Rate an Pyelonephritiden signifikant gesenkt werden, wahrscheinlich auch die Gefahr von Frühgeburten. Nach Abschluss der Therapie soll die Erregereradikation mit Hilfe einer erneuten Urinkultur überprüft werden.
Folgende Antibiotika können in der Schwangerschaft verwendet werden: Pivmecillinam, Amoxicillin oral (evtl. mit Clavulansäure), orale Cephalosporine, Fosfomycin-Einmalgabe. Signifikante Unterschiede in der Effektivität oder Nebenwirkungsrate sind nicht bekannt. Die Therapiedauer beträgt normalerweise 3 Tage.

Akute Pyelonephritis in der Schwangerschaft:

Die stationäre Aufnahme ist je nach klinischem Bild nur kurzzeitig notwendig, eine gynäkologische Vorstellung zum Ausschluss von Wehen ist sinnvoll. Mittel der ersten Wahl für die Antibiotikatherapie sind Cephalosporine der zweiten, dritten oder vierten Generation, z.B. Cefuroxim 1,5 g alle 12 h, Ceftriaxon 1–2 g alle 24 h oder Cefotaxim 1–2 g alle 12 h i.v. Die intravenöse Therapie mit Ampicillin ist eine Option bei vorliegender Urinkultur mit Sensibilitätsnachweis. Bei vitaler Indikation können o.g. Antibiotika mit Gentamicin i.v. kombiniert werden.







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Literatur Harnwegsinfektion Schwangerschaft

Chaliha und Stanton 2002 CHALIHA, C. ; STANTON, S. L.:
Urological problems in pregnancy.
In: BJU Int
89 (2002), Nr. 5, S. 469–76

Leitlinienprogramm DGU
Interdisziplinäre S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Langversion 1.1-2. AWMF Registernummer: 043/044
2017. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-044l_S3_Harnwegsinfektionen_2017-05.pdf