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Von Dirk Manski

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Harnblasensteine: Ursachen, Diagnose und Therapie

Definition von Harnblasensteinen

Harnblasensteine sind eine häufige Form der Urolithiasis im unteren Harntrakt.


Harnblasensteine in der Abdomenübersichtsaufnahme (oben). Die massiv vergrößerte Prostata verdrängt die Steine nach kranial. Präparat der gleichen Harnblasensteine nach operativer Entfernung (unten). Mit freundlicher Genehmigung, Prof. Dr. R. Harzmann, Augsburg.
Abb. Sonographie eines Harnblasensteins

Epidemiologie und Ätiologie der Harnblasensteine

Endemische Harnblasensteine:

Mangelernährung in Entwicklungsländern verursacht bei Kindern ohne neurologische Erkrankungen oder Harnblasenentleerungsstörungen Harnblasensteine. Betroffene Gebiete sind v. a. Nordafrika, der Mittlere und Ferne Osten. Häufig erkranken Jungen unter 10 Jahren an Harnblasensteinen, da Mädchen aufgrund ihrer kurzen Urethra sandige Vorstufen besser ausscheiden können.

Eine Ernährung, die arm an tierischen Proteinen und hauptsächlich aus Getreide besteht, ist ursächlich für die Harnblasensteinentstehung. Weitere begünstigende Faktoren sind Dehydratation und eine verminderte Phosphatzufuhr. Es entstehen meist Ammoniumuratsteine mit oder ohne Calcium-Oxalat oder Calcium-Phosphat.

Sekundäre Harnblasensteine:

In entwickelten Ländern sind sekundäre Harnblasensteine die Regel und verursachen ca. 5 % der Urolithiasis. Risikofaktoren sind die Urinstase, rezidivierende Harnwegsinfektionen, Fremdkörper und intestinale Mukosa im Harntrakt.

Subvesikale Obstruktion und Harnblasensteine:

Die Restharnbildung (Urinstase), ausgelöst z. B. durch benigne Prostatahyperplasie oder neurogene Harnblasenentleerungstörungen, ist die häufigste Ursache für Harnblasensteine (75 %). Es entstehen Steine aus Harnsäure, Kalziumoxalat oder Magnesium-Ammonium-Phosphat (Infektsteine). Betroffen sind vor allem Männer über 50 Lebensjahre.

Harnwegsinfektionen und Katheterisierung:

Rezidivierende oder chronische Harnwegsinfektionen mit ureasebildenden Bakterien führen zur Bildung von Magnesium-Ammonium-Phosphat-Steinen.

Rückenmarksverletzte Patienten mit Dauerkatheter haben im Vergleich zur katheterfreien Versorgung ein 9-faches Risiko für Harnblasensteine. Bei intermittierender Selbstkatheterisierung (CIC) oder Kondomurinal ist das Risiko für Harnblasensteine 4-fach gesteigert.

Fremdkörper:

Selbsteingeführte, iatrogene oder wandernde Fremdkörper mit Kontakt zum Urin erzeugen Harnblasensteine. Beispiele für iatrogene Ursachen: Fadenmaterial, Ligaturclips, Katheter, Ureterstents sowie eine transmurale Migration intrauteriner Spiralen oder anderer Fremdkörper in die Harnblase.

Harnableitung und Harnsteine:

Die Häufigkeit der Harnsteinformation (4–48 %) ist abhängig von der Art der Harnableitung. Harnsteine entstehen dreimal häufiger bei kontinenten als bei inkontinenten Harnableitungen. Risikofaktoren sind Urinstase, Schleimproduktion, Harnwegsinfektionen, Fremdmaterial (Clips, nicht resorbierbares Nahtmaterial), Katheterversorgung und metabolische Störungen. In der Regel entstehen Magnesium-Ammonium-Phosphat-Steine (Infektsteine).

Klinik von Harnblasensteinen

Kindliche Beschwerden bei endemischen Harnblasensteinen:

Zu den Symptomen zählen Bauchschmerzen, unterbrochener Harnstrahl, Manipulation und Ziehen am Penis, Dysurie, Algurie sowie häufiger Harndrang. Die Beschwerden bestehen meist über einen längeren Zeitraum.

Beschwerden bei sekundären Harnblasensteinen:

Die Mehrzahl der Harnblasensteine verursacht keine zusätzlichen Symptome neben den Beschwerden der zugrunde liegenden Harnblasenentleerungsstörung. Typisch sind rezidivierende Harnwegsinfektionen, Dysurie, Algurie, ein unterbrochener Harnstrahl oder akuter Harnverhalt.

Komplikationen:

Urosepsis, schmerzhafte Impaktierung in der Harnröhre, Harnverhalt mit postrenalem Nierenversagen, selten ein Plattenepithelkarzinom der Harnblase.

Diagnostik der Harnblasensteine

Sonographie:

Harnblasensteine erzeugen eine echogene Raumforderung in der Harnblase mit dorsalem Schallschatten, insbesondere bei gefüllter Harnblase zuverlässig erkennbar. Nach Umlagerung des Patienten sollten sich die Harnblasensteine entsprechend der Schwerkraft bewegen.


Sonographie eines Harnblasensteins: echogene Raumforderung mit dorsalem Schallschatten. Mit freundlicher Genehmigung, Prof. Dr. R. Harzmann, Augsburg.
Abb. Sonographie eines Harnblasensteins

Abdomenübersichtsaufnahme:

Viele Harnblasensteine sind röntgendicht, manche werden jedoch durch Darmgasüberlagerung verdeckt oder sind nicht schattengebend [Abb. Harnblasensteine in der Abdomen Übersichtsaufnahme].

Zystogramm:

Radioluzente Harnblasensteine können durch Kontrastmittelaussparungen entdeckt werden [Abb. Zystogramm mit Harnblasensteinen].


Zystogramm Harnblasendivertikeln bei der benignen Prostatahyperplasie (BPH)
Zystogramm bei BPH und multiplen Harnblasendivertikeln: im großen rechten Divertikel befindet sich ein Harnblasenstein, erkennbar durch die Doppelkonturierung. Mit freundlicher Genehmigung, Dr. R. Gumpinger, Kempten.

CT:

Auch ohne Kontrastmittel ist die Computertomographie die Bildgebung mit der höchsten Sensitivität.

Zystoskopie:

Die Zystoskopie ist eine zuverlässige Methode in der Diagnose von Harnblasensteinen. Die Zystoskopie ist wichtig für die Therapieplanung hinsichtlich Prostatagröße, Divertikeln oder Harnröhrenstrikturen.



Therapie von Harnblasensteinen

Die Mehrheit der Harnblasensteine kann endoskopisch therapiert werden. Die Wahl des Verfahrens wird durch die Anatomie, die Steinätiologie, Begleiterkrankungen und die Steingröße beeinflusst.

ESWL:

Die ESWL ist eine Therapieoption für Kinder oder Patienten mit hohem Narkoserisiko. Ohne Therapie der auslösenden Ursache besteht eine hohe Rezidivgefahr.

Transurethrale Lithotripsie:

Zur Auswahl stehen die mechanische, elektrohydraulische, pneumatische oder lasergestützte Lithotripsie, siehe Technik und Komplikationen der Harnblasensteinlithotripsie. Je nach intraoperativem Verlauf kann die operative Therapie der BPH (falls indiziert) in gleicher Sitzung durchgeführt werden.

Perkutane Zystolithotomie:

Indiziert bei Kindern zur Schonung der Harnröhre oder bei hoher Steinlast. Nach perkutaner Punktion der Harnblase und Einlegen eines starren Führungsdrahtes wird ein Arbeitstrakt mit 24–36 CH aufdilatiert. Analog zur PNL werden die Steine fragmentiert und entfernt, siehe Perkutane Nephrolithotomie.

Sectio alta:

Die Abwägung zwischen einer endoskopischen Harnblasensteinlithotripsie oder einer offen-chirurgischen Sectio alta ist abhängig von der Größe und Anzahl der Steine sowie der Prostatagröße, insbesondere wenn eine zeitgleiche offen-chirurgischen BPH- Therapie angestrebt wird. Technik und Komplikationen siehe Abschnitt Sectio alta. Die offen-chirurgische Sectio alta kann in erfahrenen Zentren mit der roboterassistierten einfachen Prostatektomie und Steinentfernung ersetzt werden. Klinische Vorteile sind jedoch nur mit einem extraperitonealem roboterassistierten Vorgehen zu erwarten, ein transperitoneales Vorgehen birgt unnötige Risiken hinsichtlich schwerer Komplikationen wie Ileus, Urinaszites oder Adhäsionen.

Endemische Harnblasensteine:

Neben der chirurgischen Sanierung verhindert eine konsequente Ernährungsumstellung (Erhöhung des Anteils tierischer Proteine, ausgewogene Mischkost) ein Rezidiv.







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Literatur

Bartosh, S. M. Medical management of pediatric stone disease.
Urol Clin North Am, 2004, 31, 575-87

Schwartz, B. F. & Stoller, M. L. The vesical calculus.
Urol Clin North Am, 2000, 27, 333-346



  English Version: Urinary bladder stones

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