Zusammenfassende Literatur: (Gerharz u.a., 2003) (Farnham und Cookson, 2004) (Hautmann, 2003) (Mills und Studer, 1999).
Prinzipielle Unterteilung der Harnableitung:
Ziel ist die Konstruktion eines Reservoirs aus Darmschlingen, welches ein ausreichend großes Volumen ohne hohe Reservoirdrücke, starke Resorption oder Reflux in die Nieren aufnehmen kann. Die Detubularisierung von Darmschlingen ist die Lösung für die Konstruktion von großvolumigen Niederdruckreservoiren. Eine U-förmige Detubularisierung verdoppelt das Reservoirvolumen im Vergleich zum tubulären Darmsegment. Die W- oder S-förmige Detubularisierung kann das Volumen verdreifachen.
eine Grundfunktion von Dünn- und Dickdarm ist die Resorption von Wasser und Elektrolyten, dies ist bei Harnableitungen unerwünscht. Cl− wird durch Ileummukosa im Austausch von HCO3 absorbiert, Na+ wird im Austausch mit H+ absorbiert. Da typischerweise mehr Cl− als Na+ absorbiert wird, und somit mehr HCO3 als H+ sezerniert werden, entsteht eine hyperchlorämische metabolische Azidose. Die zusätzliche Resorption von Ammonium (NH4−) durch die Darmmukosa verstärkt die Azidose. Reservoire aus Ileum haben geringe Vorteile gegenüber Reservoiren aus Kolon hinsichtlich der Speicherdrücke und der Resorption von Urinbestandteilen.
Bei nierengesunden Patienten werden diese Nachteile in der Regel nicht klinisch manifest und können durch die Nieren kompensiert werden. Eine verminderte GFR kann jedoch Probleme hinsichtlich der H+- und Elektrolytausscheidung verursachen. Die Therapie besteht in der oralen Alkalisierung mit Kalium- oder Natriumbikarbonat.
Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Niereninsuffizienz (GFR <60–80 ml/min), schlechte Compliance, schlechte Lebenserwartung.
zusätzlich defekter Sphinktermuskel, Karzinombefall der membranösen Harnröhre, Prostata oder Harnblasenhals.
zusätzlich Unfähigkeit des Patienten, sich selbst zu katheterisieren.
Siehe Kapitel Zystektomie.
frühzeitige Mobilisation. Intensive Atemtherapie. Thromboseprophylaxe. Laborkontrollen (Hb, Elektrolyte, Kreatinin). Wundkontrollen. Tumornachsorge.
nach Laparotomien entsteht ein sogenannter ,,physiologischer`` paralytischer Ileus. Die postoperative Atonie dauert am Dünndarm nur wenige Stunden, am Dickdarm und am Magen nur 1–2 Tage. Nach heutigen Erkenntnissen wird die Zeitspanne des physiologischen Ileus durch ein frühes orales Nahrungsangebot verkürzt, eine prophylaktische Magensonde ist nicht notwendig.
Erster pOP schluckweise klare Flüssigkeiten, ab dem zweiten pOP geringe Mengen an Tee, Suppe und Zwieback. Erst nach Überwindung des ,,physiologischen`` paralytischen Ileus erfolgt der weitere Kostaufbau. Ausführliche Darstellung siehe Kapitel Perioperative Ernährung.
die Vermeidung von Opiaten als Analgesie ist wichtig für eine schnelle Darmrekonvaleszenz. Voraussetzung dafür ist die Anlage einer PDA und die Gabe von nichtsteroidalen Analgetika oder COX2-Hemmern.
parenterale Gabe von Protonenpumpenhemmern oder H2-Rezeptorantagonisten, z. B. Pantozol 20 mg 1–0–0.
Wunddrainage minimal 1–2 Tage, bei hoher Förderung Bestimmung der Kreatininkonzentration und Überprüfung der ausgeleiteten Ureterstents und Katheter auf Durchgängigkeit.
MJ-Harnableitung 10 Tage, Katheterableitung des Reservoirs bis zur radiologisch dokumentierten Dichtigkeit, mindestens aber 14 Tage.
nach Beginn der Urinbelastung des Reservoirs sind regelmäßige Bestimmungen von Blut-pH und der Elektrolyte notwendig, ausreichend ist die venöse Bestimmung des Baseexcess. Der Baseexcess sollte nicht unter -2,5 mmol/l absinken.
eine verminderte GFR kann durch die Resorption von Urinbestandteilen Probleme hinsichtlich der Protonen- und Elektrolytausscheidung verursachen. Die typische Störung bei der Verwendung von Ileum oder Kolon ist die Ausbildung einer hyperchlorämischen metabolischen Azidose (s. o.). Die Therapie besteht in der oralen Alkalisierung mit Kalium- oder Natriumbikarbonat. Der Baseexcess sollte nicht unter -2,5 mmol/l absinken.
Medikamente, welche vom Gastrointestinaltrakt absorbiert werden und unverändert renal ausgeschieden werden, können bei kontinenten Harnableitungen wieder absorbiert werden und toxische Werte erreichen. Insbesondere bei einer adjuvanten Chemotherapie ist eine Drainierung des Harntrakts zur Vermeidung einer Toxizität notwendig.
es besteht eine erhöhte Inzidenz von Bakteriurie, Pyelonephritis oder septischen Episoden.
Die Ursache der erhöhten bakteriellen Kolonisation liegt an der verminderten Fähigkeit des Darmepithels im Vergleich zum Urothel, diese zu verhindern. Das Darmepithel baut ja auf die Symbiose mit Darmbakterien, welche nun im Urintrakt nicht erwünscht sind.
die Schleimbildung kann rezidivierend die Entleerung des Harnreservoirs behindern und Harnverhalte auslösen. Die orale Gabe von ACC ist nicht hilfreich.
die Schleimbildung und persistierende Harnwegsinfektionen prädisponieren zur Entstehung von Infektsteinen.
der Verlust des terminalen Ileums oder ein Kurzdarmsyndrom können einen Vit. B12-Mangel und einen Gallensäurenverlust verursachen. Es entsteht eine mikrozytäre Anämie, neurologische Symptome und Durchfall.
Die Resektion der Ileozökalklappe begünstigt die bakterielle Besiedlung des Dünndarms, es entsteht eine Diarrhoe, Osteomalazie und weitere Vitaminmangelsymptome.
als Ursache wird eine Azidose, Vitamin D-Resistenz und ein renaler Kalziumverlust der Niere postuliert.
| Zystektomie | Inhalt | Ileum Conduit |
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Dr. med. Dirk Manski
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