Dr. med. Dirk Manski

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Harnwegsinfektion: Diagnose durch Urinuntersuchung und Bildgebung


Zusammenfassende Literatur: (Krieger, 2002) (Nickel, 2005a) (Nickel, 2005b) (Sussman und Gally, 1999) (S3-Leitline Harnwegsinfektionen), Leitlinie der EAU: (Bonkat u.a., 2020).

Laboruntersuchungen bei Harnwegsinfektion

Urinsediment oder Urinstreifenuntersuchung:

Zeichen eines Harnwegsinfekts sind Pyurie, (Mikro-)Hämaturie und Bakterien im Urinsediment (Nitrit positiv). Bei längerer Katheterisierung und intermittierenden Katheterisierungen ist die diagnostische Aussage vermindert.





Urinkultur:

Bei einer sterilen Harnblasenpunktion gilt jeder Keimnachweis als pathologisch. Bei Mittelstrahlurin besteht die Gefahr einer Kontamination, Hinweise dazu liefert der Nachweis von Hautkeimen oder einer Mischflora. Zur weiteren Differenzierung zwischen Kontamination oder signifikanter Bakteriurie wird bei Mittelstrahlurin die Keimzahl (Kass'sche Zahl) herangezogen, siehe auch Abschnitt Urinkultur:

Kass’sche Zahl:

105 Keime/ml (oder Kolonie-bildende Einheiten KBE/ml) in einem sauber gewonnenen Mittelstrahlurin zeigen einen HWI an (Kass, 2002). Erregerzahlen von 103 bis 104 Keime/ml können bei typischer Klinik und bei typischen Uropathogenen in Reinkultur (keine Mischkultur) bereits klinisch relevant sein. Eine forcierte Diurese oder Pollakisurie führen zu einer kürzeren Verweilzeit des Urins in der Harnblase und können damit bei bestehender akuter Zystitis falsch-niedrige Keimzahlen ergeben. Ein Erregernachweis durch eine Einmalkatheterisierung oder Harnblasenpunktion ist immer pathologisch.

Labor:

Harnwegsinfektionen mit Fieber: Blutbild, CRP, Kreatinin. Blutkulturen sollten bei hohem Fieber und Zeichen der systemischen Infektion abgenommen werden. Siehe auch Abschnitt Diagnose der Sepsis für weitere Laboruntersuchungen, um Komplikationen der Sepsis zu erfassen.

Basisdiagnostik bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen:

Sonographie:

Sonographie der Harnblase und der NNieren: Restharn? Harnstau? Harnblasendivertikel? Harnblasensteine? Nephrolithiasis? Adenom der Prostata? Ureterozele?

Zystoskopie:

Die Zystoskopie ist nur im infektfreien Intervall sinnvoll zum Ausschluss einer subvesikalen Obstruktion, eines Divertikels, Harnblasensteine oder Harnblasentumoren (ggf. mit Probebiopsien). Laut S3-Leitlinie ist die routinemäßige Zystoskopie bei Frauen ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen mit rezidivierenden Harnwegsinfektionen nicht indiziert. Dies ist bei jungen Frauen ohne hohes Risiko für einen Blasentumor verständlich, ab einem gewissen Alter (>50 Jahren?) und bei Risikofaktoren (siehe Mikrohämaturie) sollte die Zystoskopie jedoch empfohlen werden (Vermeulen u.a., 2015) (Cohn u.a., 2014).

Erweiterte Diagnostik bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen:

Bei Auffälligkeiten in der Basisdiagnostik:

Urinstrahlmessung:

Objektivierung des Harnstrahls.

Urogramm oder CT-Abdomen:

Zum Ausschluss von Harnstau, Harnsteinen, Harnblasendivertikeln, anatomischen Fehlbildungen. Die CT ist dem Urogramm überlegen: sie bietet eine bessere Darstellung von anatomischen Details (Ursache einer Hydronephrose?) und höhere Sensitivität bei Nephrolithiasis oder Abszessen.

Miktionszysturethrogramm:

das MCU ist indiziert bei V. a. vesikoureteralen Reflux, Miktionsstörungen oder Harnblasendivertikel.

Urethrogramm bei Männern:

Indiziert bei einer Urethrastriktur in der Zystoskopie oder bei V.a. Harnröhrendivertikel.



Nierenszintigraphie:

Die DMSA-Szintigraphie der Nieren ermöglicht die Identifizierung von Narben und Nierenfunktionsstörungen im Rahmen des vesikoureteralen Reflux.

Urodynamik:

Die Urodynamik ermöglicht die genaue Klassifizierung von Miktionsstörungen, die Durchführung der Urodynamik ist nur im infektfreien Intervall sinnvoll.







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Literatur Harnwegsinfektion

Leitlinienprogramm DGU
Interdisziplinäre S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Langversion 1.1-2. AWMF Registernummer: 043/044
2017. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-044l_S3_Harnwegsinfektionen_2017-05.pdf


Bauer u.a. 2002 BAUER, H. W. ; RAHLFS, V. W. ; LAUENER, P. A. ; BLESSMANN, G. S.:
Prevention of recurrent urinary tract infections with immuno-active E. coli fractions: a meta-analysis of five placebo-controlled double-blind studies.
In: Int J Antimicrob Agents
19 (2002), Nr. 6, S. 451–6

Kass 2002 KASS, E. H.:
Asymptomatic infections of the urinary tract. 1956.
In: J Urol
167 (2002), Nr. 2 Pt 2, S. 1016–9; discussion 1019–21

Krieger 2002 KRIEGER, J. N.:
Urinary tract infections: what’s new?
In: J Urol
168 (2002), Nr. 6, S. 2351–8

Nickel 2005a NICKEL, J. C.:
Management of urinary tract infections: historical perspective and current strategies: Part 1–Before antibiotics.
In: J Urol
173 (2005), Nr. 1, S. 21–6

Nickel 2005b NICKEL, J. C.:
Management of urinary tract infections: historical perspective and current strategies: Part 2-Modern management.
In: J Urol
173 (2005), Nr. 1, S. 27–32

Sobel und Vazquez 1999 SOBEL, J. D. ; VAZQUEZ, J. A.:
Fungal infections of the urinary tract.
In: World J Urol
17 (1999), Nr. 6, S. 410–4

Sussman und Gally 1999 SUSSMAN, M. ; GALLY, D. L.:
The biology of cystitis: host and bacterial factors.
In: Annu Rev Med
50 (1999), S. 149–58

Tauchnitz 1991 TAUCHNITZ, C:
Sepsis.
In: HAHN, H (Hrsg.) ; FALKE, D (Hrsg.) ; KLEIN, P (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie.
Berlin, Heidelberg : Springer, 1991, S. 501–507

Wagenlehner und Naber 2006 WAGENLEHNER, F. M. ; NABER, K. G.:
Treatment of bacterial urinary tract infections: presence and future.
In: Eur Urol
49 (2006), Nr. 2, S. 235–44





 



  English Version: Diagnostic work-up in urinary tract infection