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Solifenacin: Wirkmechanismus, Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Dosierung
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Wirkmechanismus von Solifenacin
Solifenacin ist ein lipophiles tertiäres Amin mit selektiver anticholinerger Wirkung an M3-Muscarinrezeptoren. Die fehlende Wirkung auf M1-Rezeptoren reduziert ZNS-Nebenwirkungen und die fehlende Wirkung auf M2-Rezeptoren die kardialen Nebenwirkungen. Die Hemmung der M3-Rezeptoren mit Solifenacin reduziert die glattmuskuläre Detrusorkontraktion, erhöht die funktionelle Harnblasenkapazität und lindert Drangsymptome. Darifenacin wird zur Behandlung von autonomen Detrusorkontraktionen, Dranginkontinenz und Urgesymptome eingesetzt [siehe Abschnitte neurogene Harnblasenfunktionsstörungen, Überaktive Harnblase].
Pharmakokinetik von Solifenacin:
90% Bioverfügbarkeit nach oraler Gabe, hepatische Metabolisierung zu inaktiven Metaboliten, lange Halbwertszeit von 45–70 h, je nach Geschwindigkeit der Cytochrom-Enzyme. Ausscheidung der Metaboliten über den Urin (70%) und Feces (23%). Stabile Plasmakonzentrationen werden ungefähr nach sieben Tagen Therapie erreicht.
Nebenwirkungen von Solifenacin
Muskarinerge Rezeptoren sind an zahlreichen Organen vorhanden, M3-Rezeptoren kommen hauptsächlich in glatter Muskulatur und in Drüsen vor. Die fehlende Wirkung auf M1-Rezeptoren reduziert ZNS-Nebenwirkungen und die fehlende Wirkung auf M2-Rezeptoren die kardialen Nebenwirkungen.
Auge:
Pupillendilatation, Akkomodationsstörungen, trockene Augen, Gefahr des erhöhten Augeninnendrucks bei Patienten mit Glaukom.
GI-Trakt:
Mundtrockenheit, Hemmung der Darmmotilität (Obstipation).
ZNS:
Insgesamt selten: Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsverlust, Schläfrigkeit, Verschlechterung einer Demenz. Angst, innere Unruhe und Verwirrung sind mögliche psychiatrische Nebenwirkungen.
Haut:
Trockene Haut durch Hemmung der Schweißdrüsen, gestörte Temperaturregulation bei Fieber.
Wechselwirkungen von Solifenacin:
Verstärkung der anticholinergen Wirkung von Antiparkinsonmitteln, Antihistaminika, Neuroleptika, trizyklischen Antidepressiva. Darifenacin schwächt die Wirkung von gastrointestinalen Prokinetika. Erhöhte Plasmakonzentrationen durch Paroxetin, Cimetidin, Ketoconazol oder Azithromycin (Makrolidantibiotika) aufgrund einer Hemmung der Cytochrom-Enzyme.
Kontraindikationen von Solifenacin:
- Engwinkelglaukom
- Ileus, GI-Stenose, schwere chronisch entzündliche Darmerkrankungen, toxisches Megakolon
- Myasthenia gravis
- Harnverhaltung
- Schwangerschaft, Kinder
- Schwere Leberinsuffizienz
- Vorsicht bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz, QT-Verlängerung, Elektrolytstörungen und manifesten Herzerkrankungen.
Dosierung von Solifenacin:
Initialdosis 5 mg 1–0–0, bei Bedarf ist eine Steigerung nach zwei Wochen auf 10 mg 1–0–0 möglich. Keine Dosissteigerung bei Hemmern von Cytochrom-Enzymen (s. o.), Leberinsuffizienz oder Niereninsuffizienz unter 30 ml/min.
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Literatur
Ouslander 2004 OUSLANDER, J. G.: Management of overactive bladder.In: N Engl J Med
350 (2004), Nr. 8, S. 786–99
Yoshimura und Chancellor 2002 YOSHIMURA, N. ;
CHANCELLOR, M. B.:
Current and future pharmacological treatment for overactive bladder.
In: J Urol
168 (2002), Nr. 5, S. 1897-913
English Version: Mechanism of action and side effects of solifenacin
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