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Zusammenfassende Literatur Hodentumor: Empfehlungen der European Germ Cell Cancer Consensus Group (EGCCCG) (Krege et al., 2008a) (Krege et al., 2008b).
die Hodentumormarker (außer LDH) sind aufgrund fehlender physiologischer Produktion beim Mann hochspezifisch und sensitiv. Eine Tumorlast von 105 Zellen kann nachgewiesen werden, lange vor dem Nachweis in der Bildgebung. Nur 10–15 % der fortgeschrittenen Keimzelltumoren haben normale Tumormarker.
Wichtig ist die Abnahme der Tumormarker vor der Orchiektomie. Bei erhöhten Markern sind weitere Bestimmungen alle 5–7 Tage nach Orchiektomie notwendig, um anhand des Verlaufes von AFP und HCG die Resttumorlast richtig einschätzen zu können (Halbwertszeiten s.u.). Die Höhe der Tumormarker korreliert am besten mit der Prognose der Patienten, daher ist in der TNM-Klassifikation eine Rubrik (S0 bis S3) für die Tumormarker eingeführt worden. Für die Eingruppierung wird der niedrigste Wert (Nadir) der Tumormarker nach Orchiektomie verwendet.
Normwert: <15 ng/ml bzw. <10 IU/ml. Halbwertszeit 5 Tage. Eine AFP-Erhöhung weist auf ein Nichtseminom hin, reife Teratome, reine Seminome oder reine Chorionkarzinome sind AFP-negativ.
Normwert: bei Männern: <5 mIU/ml. Halbwertszeit 24–36 h. HCG wird bei Keimzelltumoren in chorionkarzinomatösen Anteilen oder von synzytiotrophoblastischen Riesenzellen (Seminom, embryonales Karzinom, Chorionkarzinom, Dysgerminom) gebildet. Werte über 500 mIU/ml sprechen gegen ein reines Seminom. Beim Chorionkarzinom korreliert die HCG-Konzentration fast linear mit der Tumormasse, wobei 10 mIU/ml ungefähr 1 000 000 Zellen entsprechen.
Normwert: 60–120 U/l. LDH ist ein ubiquitär vorkommendes intrazelluläres Enzym, nicht spezifisch für einen Hodentumor. Nur für den Krankheitsverlauf von Tumorerkrankungen geeignet, da das Enzym sehr gut mit der Tumorlast korreliert.
wird teilweise von HCG-negativen Seminomen exprimiert, falsch-positiv bei Rauchern. Keine Standarddiagnostik.
In der Sonographie der Hoden manifestiert sich ein Hodentumor typischerweise als echoarme bis echogemischte Läsion im Hodenparenchym mit verstärkter Durchblutung [Abb. Hodentumor im Ultraschall].
Sonographie des kontralateralen Hodens zum Ausschluss eines bilateralen Hodentumors und zur Einschätzung des Risikos für eine TIN (Hodenvolumen? testikuläre Mikrolithiasis?).
Ein MRT des Hodens ist indiziert zur weiteren Abklärung suspekter Befunde im Ultraschall, welche nicht unbedingt freigelegt werden müssen (seltene Indikation!).
Die Sonographie des Abdomens dient zur Aufdeckung von retroperitonealen Lk- oder Lebermetastasen [Abb. Retroperitoneale Metastase im US Abdomen]. Das CT-Abdomen ist sensitiver und kann durch die Sonographie nicht ersetzt werden.
Das CT-Abdomen ist Mittel der Wahl zum Nachweis von retroperitonealen Lymphknotenmetastasen [Abb. Lymphknotenmetastasen in der CT]. Alternativ MRT-Abdomen bei Kontrastmittelallergie oder Kindern.
ausreichend zum Ausschluss von Lungenmetastasen bei einem Seminom, wenn keine retroperitonealen Metastasen vorliegen. Das CT-Thorax ist sensitiver und wird häufig vorgezogen.
indiziert bei Nichtseminomen und bei Seminom ab Stadium IIA. Viele Kliniken verwenden das CT-Thorax als Standard zum Staging und verzichten auf ein Rö-Thorax. Das CT-Thorax wird idealerweise zeitgleich mit dem CT-Abdomen durchgeführt.
bei fortgeschrittener Erkrankung oder bei Symptomen verdächtig für Hirnmetastasen. Alternativ CCT.
bei klinischem Verdacht auf Knochenmetastasen.
das PET hat für das primäre Staging bei nachgewiesenem Hodentumor vor Erstlinientherapie keine Bedeutung. Das Positronenemisionstomographie hat eine gesicherte Rolle bei der Diagnose von residualen Lymphknotenvergrößerungen nach primärer Therapie (Chemotherapie und/oder Strahlentherapie). Durch den Nachweis einer erhöhten Stoffwechselaktivität mit dem Tracer FDG kann zwischen Narbengewebe und Tumorgewebe unterschieden werden. Die Unterscheidung zwischen Teratom und Tumor ist schwieriger. Eine weitere Indikation zur PET besteht bei Anstieg der Hodentumormarker im Verlauf der Tumornachsorge.
bei Läsionen in der Sonographie oder MRT, welche auch einer benignen Erkrankung zugeordnet werden können, ist eine diagnostische inguinale Hodenfreilegung mit Tumorresektion indiziert. Der Hodentumor wird per Schnellschnitt untersucht. Bei Nachweis eines Hodentumors im Schnellschnitt ist die hohe inguinale Semikastration notwendig [Abb. Orchiektomiepräparat]. Bei kleinen benignen Läsionen kann der Resthoden nach einer kompletten Resektion des Tumors erhalten werden.
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Orchiektomie-Präparat: der longitudinal aufgeschnittene Hoden zeigt einen Hodentumor (Histologie Seminom) am Unterpol des Hodens. Mit freundlicher Genehmigung, Dr. R. Mayer, Kempten. |
das Risiko einer kontralateralen testikulären intratubulären Neoplasie (TIN) liegt zwischen 5–30 %. Risikofaktoren für eine kontralaterale TIN sind ein Hodenvolumen von unter 12 ml und einem Erkrankungsalter unter 40 Jahren, das Risiko beträgt dann 34 %. Die Optionen der kontralateralen Hodenbiopsie sollte zumindest bei Patienten mit Risikofaktoren für eine TIN diskutiert werden. Zur Technik der kontralateralen Hodenbiopsie siehe Abschnitt inguinale Orchiektomie.
Wenn eine cisplatin-haltige Chemotherapie schon zum Zeitpunkt der Orchiektomie absehbar ist, sollte keine kontralaterale Hodenbiopsie durchgeführt werden. Die Chemotherapie des Primärtumors heilt die TIN in über 60 % der Fälle. Bei Risikofaktoren für eine TIN sollte die kontralaterale Hodenbiopsie ggf. 2 Jahre nach Abschluss der Therapie des Primärtumors durchgeführt werden.
Siehe Abschnitt Skrotaler Tumor
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Dr. med. Dirk Manski
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