Dr. med. Dirk Manski

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Nierenbeckenplastik: Operation der Harnleiterabgangsenge

Indikationen zur Nierenbeckenplastik

Harnleiterabgangsenge mit szintigraphischem Nachweis der Obstruktion, verminderter aber ausreichender Nierenfunktion oder bei klinischen Beschwerden (Schmerzen, Steine, Infektionen).

Kontraindikationen

Funktionslose Niere (unter 20 % der Gesamtleistung). Komorbidität mit Kontraindikation für elektive Eingriffe.

Technik der Nierenbeckenplastik

Schematische Darstellung einer Harnleiterabgangsenge, ausgelöst durch ein Unterpolgefäß (links). Bei der operativen Korrektur (nach Anderson-Hynes) ist auf die Ventralverlagerung der Harnleiteranastomose zu achten (rechts).
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Präoperative Vorbereitungen:

Ausschluss oder Therapie einer Harnwegsinfektion.

Perioperative Antibiotikaprophylaxe. Einlage einer langen DJ-Harnleiterschiene, dabei radiologische Überprüfung der Krankheitsursache durch eine retrograde Pyelographie (Ausschluss eines Tumors oder Steins). Transurethraler Dauerkatheter.

Operativer Zugang:

Flankenlagerung. Lumbaler Zugang zur Niere über einen Flankenschnitt. Bei Kindern ist ein vorderer subkostaler Zugang in Wechselschnitttechnik möglich.

Anzügeln des Harnleiters. Eröffnung der Gerotafaszie und Präparation des Unterpols und des Nierenbeckens sowohl von ventral als auch von dorsal.

Nierenbeckenplastik nach Anderson-Hynes:

Mittel der Wahl bei kreuzendem Unterpolgefäß, wahrscheinlich auch bei allen anderen Indikationen. Der kraniale und kaudale Absetzungsrand des Nierenbeckens wird mit einem Faden angezügelt, distal wird überschüssiges Nierenbeckengewebe abgesetzt. Die Engstelle des Harnleiters wird schräg abgesetzt, danach wird der Harnleiter entlang der lateralen Wand auf 2–3 cm spatuliert [Abb. Harnleiterabgangsenge]. Der Harnleiter wird für die Anastomose ventral der kreuzenden Unterpolgefäße positioniert.

Als Nahtmaterial für die Anastomose werden PDS oder Vicryl der Stärke 4–0 verwendet. Zunächst fortlaufender Verschluss des kranialen Abschnittes des eröffneten Nierenbeckens, der kaudale Abschnitt wird auf 2–3 cm für die Anastomose mit dem Harnleiter offen gelassen. Der Harnleiter wird mit fortlaufender Naht oder in Einzelknopftechnik an den kaudalen Abschnitt des Nierenbeckens anastomosiert. Vor dem komplettem Verschluss wird die Lage des DJ überprüft [Abb. Harnleiterabgangsenge].

Nierenbeckenplastik nach Culp-Deweerd:

Die Technik der Nierenbeckenplastik nach (Culp und Deweerd, 1954) ist eine Option bei der Rezidivoperation mit großem ektatischen Nierenbecken [Abb. Nierenbeckenplastik nach Culp-Deweerd]. Mit Hilfe eines Lappens aus dem Nierenbecken kann eine narbige Striktur bis zum proximalen Harnleiter überbrückt werden.
Nierenbeckenplastik nach Culp-Deweerd: mit Hilfe eines Lappens aus dem Nierenbecken kann eine narbige Striktur bis zum proximalen Harnleiter überbrückt werden (Culp und Deweerd, 1954).
Nierenbeckenplastik nach Culp-Deweerd: mit Hilfe eines Lappens aus dem Nierenbecken kann eine narbige Striktur bis zum proximalen Harnleiter überbrückt werden.

Drainagen:

Drainierung der Nierenloge.

Nachsorge der Nierenbeckenplastik

Allgemeine Maßnahmen:

Frühzeitige Mobilisation. Atemtherapie. Thromboseprophylaxe. Laborkontrollen (Hb). Wundkontrollen.

Analgesie:

idealerweise über einen Periduralkatheter. Zusätzlich Schmerzmittel nach WHO-Stufenschema, z. B. Metamizol und Tramadol.

Drainagen und Katheter:

Wunddrainage 1–2 Tage, Dauerkatheter 3 Tage, Harnleiterschiene 2–4 Wochen.

Komplikationen der Nierenbeckenplastik

Blutung und Nachblutung, Infektion, Urinom, erneute Striktur, Verlust der Niere oder Nierenfunktion, Verletzung von Nachbarorganen (Leber, Milz, Pankreas).







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Literatur

ANDERSON, J. C. & HYNES, W.
Retrocaval ureter; a case diagnosed pre-operatively and treated successfully by a plastic operation.
Br J Urol, 1949, 21, 209–214


Culp, O. S. & Deweerd, J. H.
A pelvic flap operation for certain types of ureteropelvic obstruction; observations after two years' experience.
J Urol, 1954, 71, 523-529



 



  English Version: Dismembered pyeloplasty