Dr. med. Dirk Manski

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Epididymitis: Ursachen und Therapie der Nebenhodenentzündung

Zusammenfassende Literatur: (Luzzi und O’Brien, 2001). Leitlinie der EAU: (Bonkat u.a., 2020)

Definition und Ursachen

Die Epididymitits ist eine akute oder chronische Entzündung des Nebenhodens mit unterschiedlicher Ätiologie:



Symptome der Nebenhodenentzündung

Diagnostik der Epididymitis

Urin:

Sediment: Leukozyturie. Eine Urinkultur kann den Erreger identifizieren, ist jedoch negativ bei 40–90 % der Patienten. Bei Verdacht auf sexuell übertragende Epididymitis sollten zusätzlich Harnröhrenabstriche zum Nachweis von Chlamydien und Gonokokken asserviert werden.

Sonographie:

die Sonographie ist zur Differentialdiagnose obligat. Es zeigt sich ein vergrößerter Nebenhoden, oft mit Begleithydrozele [Abb. Sonographie einer Nebenhodenentzündung]. Wichtig ist der Ausschluss einer Abszedierung oder Beteiligung des Hodenparenchyms an der Entzündung [Abb. Sonographie einer abszedierenden Epididymorchitis] und Ausschluss einer Hodentorsion mit der Doppler-Sonographie.


Sonographische Zeichen der Epididymitis sind ein vergrößerter Nebenhoden mit einer Begleithydrozele, welche häufig gekammert ist. Mit freundlicher Genehmigung, N. Wagner, Augsburg.
Sonographie einer Nebenhodenentzündung


Sonographische Zeichen der abszedierenden Epididymorchitis: inhomogenes Echomuster von Hodenparenchym und Nebenhoden (NH) nach mehrtägiger Antibiotikatherapie. Mit freundlicher Genehmigung, J. Menzinger, Augsburg.
Sonographie einer Epididymorchitis

Doppler-US:

typische Befunde für die Epididymitis sind erhöhte Hoden- und Nebenhodendurchblutung, sowie ein vergrößerter Nebenhoden. Eine wichtige Funktion der Doppler-Sonographie ist der Ausschluss einer Hodentorsion, ein falsch-positiver Nachweis der Hodendurchblutung ist jedoch möglich. Wenn ein arterielles Dopplersignal im Hoden durch die Kompression des Samenstrangs am äußeren Leistenring verschwindet, ist dies ein gutes Indiz für eine testikuläre Durchblutung. Bleibt das Signal erhalten, ist es ein skrotales Gefäß.

Skrotale Hodenfreilegung:

indiziert beim leichtesten Zweifel an der Diagnose Nebenhodenentzündung zum Ausschluss einer Hodentorsion. Bei fraglicher Differentialdiagnose Hodentumor ist eine inguinale Freilegung notwendig.

Untersuchung der Harnblasenentleerung:

Harnstrahlmessung, Sonographie Harnblase, retrograde Urethrographie oder MCU werden nach abgeheilter Entzündung durchgeführt und dienen dem Ausschluss einer Harnblasen/Harnröhrenerkrankung. Dies ist v. a. bei anhaltenden Miktionsbeschwerden, Kindern und bei älteren Patienten indiziert.

Therapie der Epididymitis

Symptomatische Therapie:

Bettruhe, Hoden hochlagern, kühlen, Antiphlogistika wie Diclofenac 75 mg 1–0–1. Bei starken Schmerzen ist eine Leitungsanästhesie des Samenstrangs am äußeren Leistenring mit einem lang wirkenden Lokalanästhetikum (Bupivacain) möglich.

Antibiose bei Epididymitis:

Nach der Gewinnung einer Urinkultur und ggf. Harnröhrenabstrichen wird eine kalkulierte Antibiose begonnen.

V. a. sexuell übertragene Epididymitis:

Ceftriaxon 500 mg i.m. einmalig kombiniert mit Azithromycin 2 g p.o. einmalig oder Doxycyclin 100 mg 1-0-1 für 10 Tage. Siehe auch Empfehlungen für die Therapie des Trippers und nichtgonorrhoische Urethritis.

V. a. aufsteigende Harnwegsinfektion:

z. B. Ciprofloxacin 500 mg 1–0–1 oder ein anderes Chinolon über mindestens 10 Tage.




Chirurgische Therapie:

bei einer therapierefraktären Nebenhodenentzündung besteht die Möglichkeit der Epididymektomie (Nebenhodenresektion). Lokale Komplikationen sind hierbei häufig (rezidivierende Infektionen, Wundheilungsstörungen, Hodenverlust).

Die Orchiektomie ist bei Abszedierung des Hodens und bei Wunsch einer definitiven Sanierung indiziert [Abb. abszedierende Epididymitis].







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Literatur Epididymitis

Luzzi und O’Brien 2001 LUZZI, G. A. ; O’BRIEN, T. S.:
Acute epididymitis.
In: BJU Int
87 (2001), Nr. 8, S. 747–55