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Von Dirk Manski

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Therapie der Prostatahyperplasie (BPH) mit Medikamenten


Therapiealgorithmus der Benignen Prostatahyperplasie (BPH)

Watchful Waiting bei BPS:

Die Nichttherapie ist geeignet für Patienten mit geringen Beschwerden durch die BPH und ohne Komplikationen. Sie umfasst Aufklärung, Verlaufskontrolle, Reduktion abendlicher Trinkmengen, Vermeidung von Alkohol und Koffein bei Speicherbeschwerden, Behandlung von Obstipation und Überprüfung der Medikation. Bei einem Teil der Patienten bessern sich Symptome spontan oder bleiben langfristig stabil. Risikofaktoren für eine Verschlechterung sind höheres Prostatavolumen (>40 ml), höhere PSA-Konzentration (>3,2 ng/ml), hoher IPSS, niedriger maximaler Harnfluss, zunehmender Restharn und höheres Alter.

Alphablocker zur medikamentösen Therapie der benignen Prostatahyperplasie (BPH)

Die Alphablocker sind die Medikamentengruppe der ersten Wahl zur Therapie von LUTS aufgrund von BPS. Zahllose randomisierte Studien haben für unten genannte Substanzen die Wirksamkeit und die Sicherheit der chronischen Therapie belegt. Sie verbessern Symptome rasch innerhalb weniger Tage bis Wochen, führen jedoch nicht zu einer strukturellen Verkleinerung der Prostata. Weiterhin werden Alphablocker unterstützend zum Dauerkatheter-Auslassversuch nach Harnverhalt verabreicht. Pharmakologie und Nebenwirkungen siehe Kapitel Alphablocker.

Tamsulosin:

0,4 mg 1–0–0. Eine einschleichende Dosierung ist aufgrund der Alpha1-Selektivität nicht notwendig. Durch die OCAS (Oral Controlled Absorption System)-Galenik ist eine Einnahme unabhängig von den Mahlzeiten möglich.

Alfuzosin:

In der Retard-Galenik Einmalgabe von 5–10 mg 1–0–0. Eine einschleichende Dosierung ist nicht notwendig.

Silodosin

Silodosin ist ein selektiver Alphablocker mit geringer Wirkung auf den Kreislauf. Dosierung 8 mg 1-0-0. Dosisreduktion auf 4 mg bei Niereninsuffizienz.

Terazosin:

Terazosin ist ein Medikament der zweiten Wahl aufgrund der Wirkung auf den art. Blutdruck, aber ggf. gut geeignet bei Patienten mit arteriellem Hypertonus. Startdosis am Abend mit 1 mg p.o., dann wöchentliche Steigerung der Dosis auf 2–5–10 mg 0-0-1 p.o. je nach Wirkung und Verträglichkeit.

Doxazosin:

Doxazosin ist ein Medikament der zweiten Wahl aufgrund der Wirkung auf den art. Blutdruck, aber ggf. gut geeignet bei Patienten mit arteriellem Hypertonus. Startdosis am Abend mit 1 mg p.o., dann wöchentliche Steigerung der Dosis auf 2–5–10 mg 0-0-1 p.o. je nach Wirkung und Verträglichkeit.

Vergleich der Alphablocker:

Alphablocker zeigen insgesamt eine vergleichbare Symptomwirkung, unterscheiden sich aber in Nebenwirkungsprofil, Blutdruckeffekt und Ejakulationsstörungen. Terazosin und Doxazosin verursachen häufiger Schwindel, orthostatische Hypotonie und Müdigkeit. Tamsulosin und Silodosin sind rezeptor"=selektiv, verursachen aber häufiger Ejakulationsstörungen. Alfuzosin ist durch gewebespezifische Akkumulation funktionell uro"=selektiv und hinsichtlich der Ejakulation meist günstiger.

Begleitender arterieller Hypertonus:

Alphablocker sind nicht Therapie der ersten Wahl bei arterieller Hypertonie. Bei gleichzeitigem BPS und Hypertonie sollte die antihypertensive Therapie leitliniengerecht erfolgen; LUTS/BPS werden bevorzugt mit einem uro"=selektiven Alphablocker oder einer anderen Option behandelt.

5α-Reduktasehemmer bei benigner Prostatahyperplasie (BPH)

5α-Reduktasehemmer sind indiziert bei moderaten bis schweren LUTS/BPS und vergrößerter Prostata mit Progressionsrisiko, insbesondere bei Prostatavolumen >40 ml. Sie hemmen die intraprostatische Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT). Finasterid hemmt überwiegend die 5α-Reduktase Typ 2, Dutasterid Typ 1 und Typ 2. DHT vermittelt wesentliche androgenabhängige Wachstums- und Differenzierungssignale in der Prostata. Die Wirkung setzt langsam ein und erreicht nach etwa 1–2 Jahren ein Plateau; der erreichte Effekt bleibt unter fortgesetzter Therapie erhalten. Der wichtigste Langzeitnutzen ist die Verbesserung der Beschwerden sowei Reduktion von akutem Harnverhalt und BPS"=bedingten Operationen. Je größer die Prostata, desto ausgeprägter ist der therapeutische Effekt. Durch die Schrumpfung der Prostata sinkt der PSA-Wert um bis zu 50%, ein Ausgangswert vor Therapiebeginn ist wichtig für die Prostatakarzinomvorsorge.

Pharmakokinetik und Nebenwirkungen:

Wichtige Nebenwirkungen sind Libidoverlust, erektile Dysfunktion, Ejakulationsstörungen und selten Gynäkomastie oder depressive Symptome. In Präventionsstudien senkten 5α-Reduktasehemmer die Gesamtinzidenz von Prostatakarzinomen, werden aber nicht routinemäßig zur Prävention empfohlen [siehe Abschnitt Prävention des Prostatakarzinoms].

Finasterid:

Dosierung 5 mg 1-0-0 p.o.

Dutasterid:

Dosierung 0,5 mg 1-0-0 p.o.

Phosphodiesterasehemmer (Tadalafil)

Glatte Muskelzellen der Prostata, Harnblase und Gefäße exprimieren Phosphodiesterase 5. Phosphodiesterase"=5"=Hemmer verstärken die cGMP"=vermittelte Relaxation glatter Muskelzellen. Tadalafil 5 mg 1-0-0 ist zur Therapie männlicher LUTS/BPS zugelassen. Es ist besonders geeignet bei gleichzeitiger erektiler Dysfunktion oder bei Unverträglichkeit von Alphablocker. Der IPSS bessert sich klinisch relevant, der maximale Harnfluss meist nur gering. Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Flush, Dyspepsie, Rückenbeschwerden und nasale Obstruktion; Nitrate sind kontraindiziert.

Anticholinergika bei benigner Prostatahyperplasie

Speicherbeschwerden ohne relevante Restharnbildung können mit Antimuskarinika behandelt werden, siehe Abschnitt Anticholinergika für Pharmakologie und Dosierung. Sie hemmen muskarinerge Rezeptoren des Detrusors und reduzieren imperativen Harndrang, Pollakisurie und Dranginkontinenz. Bei signifikanter Obstruktion oder hohem Restharn besteht ein erhöhtes Harnverhaltsrisiko; Restharnkontrollen sind sinnvoll. Typische Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Obstipation, Akkommodationsstörungen und kognitive Nebenwirkungen, besonders bei älteren Patienten. Bei gemischten Speicher- und Miktionsbeschwerden kann die Kombination mit einem Alphablocker erwogen werden.

β3-Agonisten

β3-Agonisten wie Mirabegron oder Vibegron sind zur Behandlung der überaktiven Harnblase zugelassen. Bei Männern mit LUTS/BPS kommen sie bei führenden oder persistierenden Speicherbeschwerden in Betracht. Typische Nebenwirkungen sind Hypertonie, Tachykardie, Kopfschmerzen und Harnwegsinfekte; bei unkontrollierter Hypertonie ist Vorsicht geboten. β3-Agonisten hemmen nicht die Detrusorkraft und erhöhen nicht das Risiko für einen Harnverhalt. Bei gemischten Speicher- und Miktionsbeschwerden kann die Kombination mit einem Alphablocker erwogen werden.

Therapie der Nykturie

Die Nykturie ist ein quälendes Symptom, das durch BPS, nächtliche Polyurie, Schlafstörungen und zahlreiche internistische Erkrankungen verursacht oder verstärkt werden kann, siehe Abschnitt Nykturie. Vor Beginn einer spezifischen Therapie sollen kardiale, pulmonale, neurologische, nephrologische, metabolische und medikamentöse Ursachen geprüft werden.

Medikamentöse Kombinationstherapie

Kombinationstherapien sind sinnvoll, wenn eine Monotherapie die führende Symptomkomponente nicht ausreichend behandelt oder wenn gleichzeitig ein erhöhtes Progressionsrisiko besteht.

Phytotherapeutika bei benigner Prostatahyperplasie (BPH)

Monoextrakte oder Kombinationen von Pflanzenextrakten aus Sabal serrulata (Zwergpalme), Serenoa repens (Sägepalme), Pygeum africanum (afrikanische Pflaume), Beta-Sitosterol (in vielen Pflanzen und Ölen), Secale cereale (Roggen) und weiteren Präparaten sind breit verfügbar. Die Präparate unterscheiden sich erheblich in Zusammensetzung, Extraktionsverfahren und Dosierung. Die Evidenz ist heterogen; ein sicherer krankheitsmodifizierender Effekt auf Prostatavolumen, Harnverhalt oder Operationsrisiko ist nicht belegt.






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  English Version: Medication for benign prostatic hyperplasia

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