Zusammenfassende Literatur Infertilität: (Derouet, 1999) (Hendry u.a., 2001)
Eine Infertilität (Unfruchtbarkeit) besteht beim Ausbleiben einer Schwangerschaft nach 12 Monaten ungeschütztem und effektivem Geschlechtsverkehr.
10 % der Paare benötigen länger als 2 Jahre, um Kinder zu bekommen. Je später der Wunsch zur Familiengründung, desto höher die Unfruchtbarkeit. 3–4 % der Paare bleiben ungewollt kinderlos. Ein Drittel der Unfruchtbarkeit beruht auf rein weiblichen Ursachen, ein Drittel auf rein männlichen Ursachen und bei dem Rest der Fälle sind kombinierte Ursachen zu finden.
falscher Zeitpunkt, falsche Frequenz oder falsche Praktiken.
Vorzeitige Ejakulation, retrograde Ejakulation, fehlende Ejakulation (Querschnittslähmung).
eine beidseitige Erkrankung der Samenwege führt zur Infertilität.
Kongenitale bilaterale Aplasie des Vas deferens (CBAVD), Aplasie von Nebenhoden oder Samenblasen.
COPD, chronische Sinusitis und obstruktive Azoospermie. Die Ursache ist wahrscheinlich eine abnorme ziliäre oder muköse Funktion.
durch Utrikuluszysten, Infektionen, Prostatasteine, Fibrosen, Spermatozelen, bei ADPKD...
Vasektomie (5 % wünschen nach Vasektomie eine operative Reanastomose), Hernienchirurgie, Epididymitis.
neben Ursachen des primären Hypogonadismus' verursachen auch testikuläre Erkrankungen ohne Hypogonadismus eine Infertilität.
Klinefelter-Syndrom, Intersexualität wie 46,XX Männer oder Gonadale Dysgenesien mit 46,XY/X Mosaik, XYY-Syndrom, Männlicher Pseudohermaphroditismus, adrenogenitales Syndrom und andere Defekte der Testosteronbiosynthese, Testikuläre Feminisierung oder milde Formen wie Reifenstein-Syndrom, 5α-Reduktase-Mangel, Anorchidie (vanishing testis syndrome), Y-Chromosomale Mutationen (AZFa, b, c).
Strahlentherapie, Chemotherapie, Ketoconazol, Kalziumkanalblocker, Cimetidin, Spironolacton, Valproinsäure, Allopurinol, Alpha-Blocker, trizyklische Antidepressiva, Drogen.
die Ursache für die Keimzellschädigung bei Kryptorchismus ist unklar (genetische Faktoren, Hyperthermie), ebenso ob die frühzeitige Orchidopexie vor dem zweiten Lebensjahr die Fruchtbarkeit verbessert.
verschlechtert die Spermienqualität durch Reflux von katecholaminhaltigen venösen Blut mit reaktiver Vasokonstriktion, weiterhin erhöhte Hodentemperatur durch erhöhte Durchblutung, venöse Stase und verminderte Testosteronproduktion durch Leydig-Zellen. Die Bedeutung der Varikozele bei männlicher Unfruchtbarkeit ist umstritten.
Mumps-Orchitis, Hodenabszedierung oder Infektion bei bakterieller Epididymitis.
Hodentorsion oder Verletzungen des Hodens. Es besteht die Gefahr der immunologischen Schädigung der kontralateralen Seite.
führen zu einem primären Hypogonadismus und zur Infertilität (z.\,B. Leberzirrhose, Niereninsuffizienz oder Herz-Kreislauferkrankungen).
angeboren oder erworbener Verlust beider Hoden.
Anosmie (Geruchsstörung) und fehlendes GnRH durch Entwicklungsstörung der Neuronen im Bereich der Geruchsplatte. Die verantwortliche Mutation liegt auf dem X-Chromosom Xp22.3 (KALIG-1).
Leitsymptom ist die verzögerte Pubertät mit Hodenatrophie und ein hypogonadotroper Hypogonadismus. Weitere klinische Symptome: Gesichtsasymmetrie, gestörtes Farbsehen, Mikrophallus, Nierenfehlbildungen, Kryptorchismus.
Die Substitution von LH und FSH kann Patienten fruchtbar machen. Eine Virilisierung wird mit Testosteron oder HCG erreicht.
sehr seltene Störung mit LH-Mangel, klinisch wegweisend ist eine fehlende Virilisierung bei erhaltener Spermatogenese. Der LH-Mangel führt zu einem Testosteronmangel, welcher zu einer unzureichenden Virilisierung führt, für die Spermatogenese ist jedoch (noch) ausreichend Testosteron vorhanden (,,fruchtbare Eunuchen``).
führt zu einer gestörten Spermatogenese mit Unfruchtbarkeit, die Virilisierung ist normal.
genetisch bedingter hypogonadotroper Hypogonadismus mit Adipositas und Retardierung.
hypogonadotroper Hypogonadismus mit Retardierung, Retinitis pigmentosa und Handfehlbildung (Polydaktylie).
Ursachen für eine Hypophyseninsuffizienz sind Tumoren, Traumata, Infarkte (vaskuläre Ursachen, Sichelzellanämie), Infektionen (Bakterien, Tbc, Sarkoidose) und die Hämochromatose.
eine Hyperprolaktinämie führt zu einem hypogonadotropen Hypogonadismus und damit auch zur Infertilität. Weitere Symptome sind die verminderte Libido, erektile Dysfunktion, Gynäkomastie und Galaktorrhoe. Die Untersuchung von anderen Hypophysenhormonen ist obligat (TSH, ACTH, ...).
Die Ursache ist meist ein prolaktinproduzierendes Hypophysenadenom. Die Höhe der Prolaktinproduktion korreliert mit der Tumorgröße (<250 ng/ml Mikroadenom meist unter 10 mm, >250 ng/ml Makroadenom meist über 10 mm).
Östrogenüberschuss (Leberzirrhose, Adrenokortikales Karzinom, Hodentumoren), Androgeneinnahme (meist Sportler), Hyperkortisolismus, Hyperthyreose oder Hypothyreose.
fehlerhafte Spermiengeißel oder Reifungsdefekte der Spermien.
heterogene Gruppe von Erkrankungen mit fehlerhaftem Aufbau der Spermiengeißel: Defektes Dynein, Kartagener-Syndrom (Situs inversus, Bronchiektasen, Sinusitis), Usher-Syndrom (Retinitis pigmentosa, Taubheit), ...
meist durch Erkrankungen des Nebenhodens oder nach Reanastomose nach einer Vasektomie.
Antikörper gegen Spermien werden durch die Blut-Hoden-Schranke verhindert. Nach Hodentrauma, Hodentorsion oder Vasektomie werden vermehrt Antikörper gegen Spermien gebildet. Die Häufigkeit von autoimmuner Infertilität wird auf 10 % geschätzt.
Eine weitere Möglichkeit der immunogenen Infertilität sind Isoantikörper der Frau gegen Spermien.
Chemotherapie, Strahlentherapie, Medikamente (Zytostatika, Immunsuppressiva, Kortikoide, Antidepressiva, Metoclopramid, Antibiotika, Antiepileptika), Samenstrangverletzung nach Herniotomie.
Chronische Niereninsuffizienz, Leberzirrhose, Sichelzellanämie,...
Nikotin, Alkohol (ab 60g pro Tag)
Oligo-Astheno-Teratozoospermie Syndrom. Häufig gestellte Diagnose bei unfruchtbaren Männern mit zu wenig, zu gering beweglichen und zu vielen pathologisch geformten Spermien. Multifaktorielle Erkrankung verschiedenster Ätiologie (s. o.).
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Weitere Information: Spermiogramm nach WHO-Kriterien.
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Dr. med. Dirk Manski
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